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Erziehung 2/3 - Verwöhnung ist schädlich

Verwöhnung ist schädlich und kann ganz leicht und unbemerkt passieren. Sie rächt sich aber später durch sehr undankbare Kinder, die dem Leben und der Gesellschaft scheinbar nicht gewachsen sind.

Teil 2/3 zum Thema Verwöhnung und Erziehung

Verwöhnung ist schädlich - Prinz oder Prinzessin an der Hand

Inhalt

  • 1. Verwöhnung ein Überblick

    • 1.1. Auffälligkeiten

  • 2. Wie zeigt sich Verwöhnung?

    • 2.1. Verschiedene Muster von Verwöhnung

  • 3. Die Verwöhnungs-Welle in der Generationenerziehung

  • 4. Urvertrauen und emotionale Vernachlässigung

  • 5. Folgen der Verwöhnung




1. Verwöhnung ein Überblick

Elternschaft ist die Verantwortung für die nächsten Generation. Eltern rüsten Kinder für die Anforderungen des Lebens - oder eben nicht. Verwöhnung ist etwas was sich in Liebe hüllt, sich jedoch in Lebensuntüchtigkeit wieder zeigt. Verwöhnte Kinder werden von ihren Eltern vor den Herausforderungen des Lebens ferngehalten. Diese Eltern wollen ihrem Kind das Leid der Welt ersparen, nehmen ihnen aber die Möglichkeit reif mit solchen Erfahrungen umzugehen; erwachsen zu werden. Verwöhnte Kinder lernen somit keine Verantwortung. Kommen sie in Situationen wo ihre Eltern nicht (mehr) da sind, sind sie überfordert, kommen mit dem Leben nicht mehr klar und versagen in der Leistungsgesellschaft. Nicht selten werden diese Kinder depressiv oder aggressiv und gehen als Erwachsene unter.


Die Gründe für solch eine Erziehung sind vielschichtig, sowie Verwöhnung viele Gesichter hat. In unserer gestressten Zeit, mit der eigentlichen Unvereinbarkeit von Karriere und Familie, vernachlässigen Eltern ihre Kinder oft emotional und verwöhnen deshalb materiell. Auch die Gegenreaktion, Rebellion einer selbst erlebten stark autoritären Erziehung, führt dazu, es ganz anders, eben antiautoritär, zu machen. Dies zeigt sich heute in unserer Ellenbogen-, Konsum, Selbstsucht- und Habgier-Gesellschaft.


Kinder müssen in die Schule, Eltern leider nicht in eine Erziehungsschule. Niemand hat je behauptet, dass Erziehung einfach sei. Fehler in der Erziehung sind nicht zu vermeiden, doch Verwöhnung grenzt stark an Kindsmissbrauch. Diese Zusammenfassung ist ein Versuch dies zu verdeutlichen.


1.1. Auffälligkeiten

In Familien mit Verwöhnungsproblemen oder bei Personen mit tyrannischen bzw. stark resignierten Verhalten finden sich auslösende Faktoren. Der menschliche Selbstwert basiert auf Sicherheit und Bedeutung. Mit gesundem Selbstwert wird verantwortliche Liebe und gleichwertige Gemeinschaft möglich. Kinder streben, ohne autoritative Führung der Eltern (und später als Erwachsene ist Gott eine autoritative Führung) und ohne stabilen Selbstwert (Identität), die Fehlziele Macht- und stete Lust-Befriedigung an. Sie kämpfen mit der lebensprägenden Kompensation von Minderwert und fühlen sich nicht einer Gemeinschaft zugehörig, was zur Aggression führt.


Leider ist die heutige Vereinbarkeit von Karriere und Familie ein häufiger Auslöser. Bei der Verwöhnung zeigen sich häufig folgende Anzeichen:


  • Beide Eltern beruflich engagiert, Beruf ist Anerkennung, auch für die Frau.

  • Oft übernehmen andere (z. B. Grosseltern) die Betreuung, verschiedene, oft auch gegensätzliche Erziehungsstile, Grosseltern sind häufig an sich schon sehr verwöhnend, Kinder passen sich an und ziehen ihre Vorteile daraus. Oft auch Gegensätzlichkeit im Elternpaar, einer streng und konsequent, der andere aus schlechtem Gewissen verwöhnend.

  • Dadurch entwickeln Kinder ein schwammiges Gewissen. Gut und Böse, Recht und Unrecht, erlaubt, nicht erlaubt, ist in zu vielen Bereichen zu unterschiedlich. Was bei einem gilt, ist bei jemand anderem erlaubt. Wenn noch keine Fixstruktur vorhanden ist, wird Willkür zur Fixstruktur. Fehlendes Gewissen wird so nicht mehr als moralischen Wert verstanden, es wird eher zu abstraktem Wissen, dass mit eigenem Pro und Kontra abgewogen wird. Stehlen und Betrügen werden z. B. dehnbare Begriffe, wenn ein persönlicher Vorteil gesehen wird, in Abwägung der Bestrafung. Unrechtsbewusstsein ist u. a. ein Vorläufer von Kriminalität.

  • Scheidungskinder, «Besucherkinder an Wochenenden», müssen nie mithelfen, Verantwortung, Verpflichtung lernen, machen nicht die Erfahrung, dass man ihnen Arbeit zutraut.

  • Alle Beteiligte haben Mitleid mit den Kindern, so weckt das bei den Kindern eine Anspruchshaltung, sie glauben ihnen steht etwas zu, stellen die Erwachsenen ihn den Dienst, die dies aus Mitleid gewähren.

  • Diese Kinder verweigern den Kindergarten. Aus ihrer Sicht logisch, denn sie verlieren dadurch in jeder Hinsicht Vorteile. Sie haben nicht gelernt liebevoll zu kommunizieren, zu teilen, sich in eine gleichwertigen Gemeinschaft einzuordnen oder generell eine Ordnung zu akzeptieren.

  • Bei fehlender konsequenter Erziehung entwickeln sich Mädchen oft zum süssen, niedlichen Schmusetyp, dass dadurch zu ihren Wünschen kommt. Junge wenden gerne die rebellische Art an, mit psychosomatischen Beschwerden, um sich durchzusetzen. Sie haben gelernt, damit Erfolg zu haben und ihr Leben zu meistern.

  • Oft belastet Verwöhnung auch die Ehe der Eltern. Sie haben keine Erholung mehr zu Hause von der Arbeit und den tyrannischen Kindern; viel Streit bei unterschiedlichen Erziehungs-Stile.

Helfende allg. Massnahmen:


  • Einheitliche Erziehungsstile aller Beteiligten, Absprachen treffen, logische Folgen von uneingehaltenen Abmachungen Kinder erfahren lassen

  • Erkennen, dass Mitleid unangebracht ist. Verstehen wie Verwöhnung und Vernachlässigung zusammenspielen

  • Einsehen das beide Elternteile sich um Kinder kümmern müssen, jeden Tag, aber nicht permanent



Verwöhnung ist schädlich - Prinzessin

2. Wie zeigt sich Verwöhnung?

Falscher Trost wird bereits in der Kindheit beigebracht, z. B. Genuss in Form der Nuckel-Flasche, immer in Reichweite. Man mutet den Kindern kein Aushalten und verantworten mehr zu. Schultaschen werden nachgetragen, Dazwischenreden ist gestattet, Wünsche erlaubt um Gequengel nicht zu ertragen, Konfliktunfähigkeit wird als Fürsorge und Liebe getarnt, es wird hinterhergeräumt und die Erfahrung gemacht, dass man es auch noch bei den Erwachsenen tun muss.


Verwöhnung widerspricht der Logik des Zusammenlebens. Verwöhnte übergehen die Bedürfnisse anderer, sind egozentrisch, wollen alles sofort jetzt, können nicht warten. In der Wohlstandsgesellschaft macht es den Menschen schwer sich in Verzicht zu üben. Verwöhnung ist ein Übermass an Zärtlichkeit, Hilfe, Entlastung, Geschenken und ein Mangel an Ermutigung, Zutrauen, freundlicher Grenzsetzung, Forderung nach Ausdauer, Anpacken, Durchhalten, Ausprobieren. Es wird vom Kind ganz generell zu wenig Anstrengung erwartet, doch damit nimmt man ihm das selbständige Lösen von Schwierigkeiten des Alltags. Aber Lernen macht nicht nur Spass, es fordert Konzentration, Bereitschaft sich anzustrengen, durch zu halten, mit Niederlagen und Frust umzugehen.


  • Verwöhnung ist ein Wechselspiel zwischen Kind und Erwachsene. Verwöhnung wird verwechselt mit Zuwendung, was das Kind aber unbewusst geschickt fordern kann. Das Kind hat dabei keine böswillige, aber durchaus eine unbewusst-bewusst aktive Rolle, die es selbst gestaltet und dabei von aussen Förderung erfährt. Verwöhnt werden wird so zum Lebensstil.

  • Esstisch: Um essen, oder dessen Verweigerung, können täglich Machtkämpfe ausgetragen werden. Sie werden aber nur möglich, wenn Eltern oder Betreuer nicht «hart» bleiben und sich weichkochen lassen. Erwachsene, die damit Probleme haben, verachten diese «harten und strikten» Eltern, leiden aber insgeheim darunter, dass sie es selbst bei ihren Kinder nicht können (wollen). Der Fehler den sie begehen, wissen sie in der Regel selbst: Sie lassen sich erpressen, von den Kinder gängeln und reagieren eher weich und mitleidig. Kinder spüren ganz genau, ob ein Erwachsener nicht Nein sagen kann und beim kleinsten Geschrei nachgibt

  • Verwöhnte werden bevorzugt: hübsche, besonders extravagante, Mitleid-erregende, kränkliche und zarte Kinder. Sie stellen sich geschickt in Mittelpunkt, so dass sie die Erwachsenen für sich gewinnen und jene mit Entzücken Mehraufwand betreiben. Auch kränkliche Kinder können u. a. sich unbeholfen und linkisch geben, so dass sie ebenfalls Vorteil aus der Fürsorge und letztlich aus der Krankheit ziehen. Wer will da schon selbständig werden.

  • Verwöhnung geht oft mit Über-Beschützung einher, es sind aber unterschiedlich Themen. Verwöhnung produziert Tyrannen, die andere (Erwachsene) in den Dienst stellen und auf deren Kosten leben. Über-Beschützung generiert Kinder, die hilflos, schwach, von anderen lenkbar sind und klein gehalten werden. Ohne dass ihnen alles vorgemacht oder abgenommen wird, geht nichts. Kinder die diese Kombination erleben, werden bevormundet, zu sehr beschützt und in Watte gepackt.


Solche Eltern-Typen neigen bevorzugt zur Verwöhnung:

  • Benachteiligte: Wurden selbst benachteiligt, wollen, dass es die Kinder besser haben, als sie es hatten

  • Wohlhabende: Materielle Verwöhnung macht einen Lebensstil der es nicht nötig hat selbst aktiv zu werden, zu planen und Kontakte zu schaffen

  • Mit Schuldgefühlen: Verwöhnen zur Selbstberuhigung

  • Abhängigen: Ringen um die Zuneigung und Anerkennung der Kinder (Ersatzpartner)

  • Aus Rebellion: Als Gegenmassnahme ihrer selbst erfahrenen autoritären, lieblosen Erziehung

  • Bemutternde: Jene finden Bestätigung wenn sie sich kümmern dürfen und gebraucht werden


Symbiose in einer Beziehungsstörung:

Immer mehr Lehrer und Schulen leiden unter einer Klagewelle von Eltern, die mit Disziplinarmassnahmen, Notenvergaben, oder Versetzungen nicht einverstanden sind. Dieses aggressive und anmassende Verhalten gegenüber den Lehrkräften scheint mittlerweile zur Tagesordnung zu gehören. Diese Tendenz zeigt sich weltweit. Die grosse Mehrheit aller anstrengenden Gerichtsverfahren wurden jedoch zu Ungunsten der Eltern entschieden. In den meisten dieser Fälle liegt bei den Eltern eine Art Symbiose mit dem eigenen Kind vor. Das Verhalten des Kindes kann nicht mehr neutral betrachtet werden.


Entstehung: Wenn Eltern ihre Kinder wie kleine Erwachsene oder Partner behandeln, werden die Handlungen des Kindes gar nicht wirklich wahrgenommen. Diese Kinder setzen sich durch, bestimmen, diskutieren wie Erwachsene und erhalten dadurch Zuwendung und Aufmerksamkeit. Hier zeigt sich die Verwöhnung, weil die Kinder durch die fehlende Abgrenzung (Verschmelzung) nicht lernen selbst Verantwortung tragen zu müssen. Die Eltern reden am Kind vorbei, das Verhalten stört nicht, weil sie es aufgrund der Verschmelzung gar nichts mehr wahrnehmen können. Diese Symbiose zwischen Mutter und Kind müsste längst abgeschlossen sein! Daher verbünden Eltern sich mit dem Kind gegen Schule und andere Institutionen.


Erst wenn die Eltern auf das Fehlverhalten ihrer Kinder angesprochen werden, wechseln sie ins Gegenteil: Die Eltern kommunizieren aggressiv, reden auf das Kind ein, doch für das Kind ist das die Zuwendung und Aufmerksamkeit, die sie eigentlich von ihnen wünschen und brauchen, nur nun sehr negativ gefärbt!


2.1. Verschiedene Muster von Verwöhnung

  • Kleinhalten der Kinder durch Eltern und Erzieher (EuE) durch Überbesorgung und Zweifel. Sie glauben nicht an das Kind.

  • EuE, die mit Ängsten überbeschützen, Ängste der Erwachsenen übertragen sich auf die Kinder und entmutigen, generieren unbeholfene «Unfall-Kinder» die nicht mit Gefahren umgehen können

  • EuE wollen dass es die Kinder besser haben als sie und erleichtern ihnen alles, ersparen ihnen jeglichen Frust und Leid.

  • EuE setzen zu wenig Grenzen, weil sie Angst haben die Zuneigung der Kinder zu verlieren

  • Kinder werden materiell verwöhnt, wenn beide Eltern beruflich tätig sind und emotional nicht viel bieten können. I.d.R. verteidigen Eltern ihre Haltung, Kinder erbetteln sich die Nähe.

  • Verwöhnung untergräbt das Gemeinschaftsgefühl, viele EuE meinen eigentlich «Nein», sagen aber «Ja, von mir aus». Damit lernen Kinder nicht das 1x1 der Gemeinschaft. Verwöhnte bleiben egoistisch und immer auf ihre Wünsche und Bedürfnisse bedacht. Sie lernen nicht, dass es für ein Miteinander Kooperation braucht, teilen, sich einfühlen können, soziales Interesse und das wir uns alle gegenseitig brauchen.

  • Kinder erpressen die EuE, einfach weil ihnen der Raum dafür gelassen wird, sie fordern für jeden Beitrag eine Gegenleistung, weil sie es so gelernt haben.

  • Verwöhnung wird durch äussere Umstände gefördert: Einzelkinder und Jüngste, Kinder die nach verstorbenen Kinder folgen oder nach langer Unfruchtbarkeit/schwieriger Schwangerschaft und grossem Kinderwunsch, sind besonders gefährdet verhätschelt zu werden und nicht Gemeinschaftspunkte lernen zu müssen. Sie stehen im Konflikt mit dem gesunden Wunsch «gross werden» zu wollen, aber mit ihrer süssen, charmant hilfsbedürftigen Art sichern sie sich ihre Verwöhnung.

  • Grosselterliche Verwöhnung: Es wurde schon immer generationsübergreifend verwöhnt, was auch ok war und ist, denn Fehlverhalten wurde immer noch gemassregelt. Heute findet man viel mehr Projektion, wo eigene Wünsche und Freuden auf Kinder übertragen werden und quasi sich selbst verwöhnt wird, bzw. sich die Zuneigung der Enkelkinder zu sichern wichtiger ist, als deren Erziehung.



Verwöhnung ist schädlich - 68-Generation flower power

3. Die Verwöhnungs-Welle in der Generationenerziehung

In der Studentenbewegung der 68-Jahre wurde der Gegenpol der Autoritären Erziehung und dessen Schatten der Vernachlässigung die Anti-Autoritäre Erziehung erschaffen, deren Schatten als Verwöhnung hervor brachte. Man wollte eine völlig verständliche Alternative zur patriarchalen Unterdrückung, Entmündigung, blinden Gehorsam, festen Strukturen und Dressur. Doch nun standen absolute Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung im Mittelpunkt, alte Strukturen sollen hinterfragt und aufgebrochen werden, alles Neue wurde modern, alles Alte veraltet und zurückgeblieben. Falscher, rebellischer Feminismus (nicht der Ursprüngliche), Verwöhnung, generelle Gleichmachung und eine egozentrische Wohlstands-Gesellschaft tritt hervor. Es ist das andere Extrem, wo die Eigendrehung mehr Priorität bekommt, als sich um andere zu kümmern, man wird materialistisch. Was vorher zu viel war, ist jetzt zu wenig und umgekehrt.


Durch dieser extreme Gesellschaftliche Wandel konnte tatsächlich viel persönlicher Freiraum gewonnen werden, leider auf Kosten des Gemeinschaftlichen Zusammenhalts, dem vorher, nach den Kriegsjahren, alles galt. Die Eltern dieser 68-Zeit erziehen mit einer Philosophie, die sie selber weder vorgelebt noch gelehrt bekommen haben. Viel Unsicherheit, Überforderung und herrische Kinder sind die Folge. Mittlerweile hat sich diese Anti-Autoritäre Erziehung als pädagogischer Irrläufer erwiesen. Die Frucht von Verwöhnung zeigt sich in erhöhter Bereitschaft zur Gewalt, Drogensucht und Kriminalität. Heute müssen die Tugenden Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Disziplin müssen neu gelernt und die Grenzsetzung der Erwachsenen gegenüber Kinder in der Autoritären-Erziehung sind wieder Thema der Pädagogik.


Ein Hauptfehler dieser Entwicklung liegt darin das Kinder als Partner gleichgestellt wurden. Auf der Basis des menschlichen Zusammenlebens, «sich erklären und verstehen», wurde hierbei eine Diskussionskultur geschaffen, die jedoch stets in Ergebnislosigkeit endet. Sie wird u. a. auf einem starken Wunsch nach Harmonie gebildet, wo die kindliche Aggression (Frustrationstoleranzbildung) nicht vorkommt. Kinder verstehen jedoch die Erwachsenenwelt (noch) nicht. Dadurch sind sie masslos überfordert mit deren Problemen und werden so nicht selbständig, sondern selbstbestimmend. Sie verweigern sich oder tun sich zumindest schwer mit jeglicher Fremdbestimmung, auch der gemeinschaftlichen, der schulischen oder der beruflichen. Den Kindern wird von Anfang an unterstellt, dass sie schon selbständig und verantwortungsbewusst denken würden und sollen, obwohl sie von der psychischen Reifentwicklung erst mit 8 oder 9 Jahren soweit sind.



4. Urvertrauen und emotionale Vernachlässigung

Man hat festgestellt, dass die ersten Lebensjahre prägend sind für den Rest unseres Lebens. Der Mensch hat ein biologisches Bedürfnis nach Zugehörigkeit (Gemeinschaftsgefühl). Viele Babys lassen sich erst durch den Herzschlag der Mutter beruhigen, nicht durch den des Vaters oder des Kindermädchens. Alle empirischen Untersuchungen und historischen Experimente haben gezeigt, wenn wir zu Beginn eine liebende, enge, sichere Bindung, durch die Mutter (unseren biologischen instinktiv vertrauten Ursprung), erfahren, d. h. dass auf unsere Bedürfnisse eingegangen wird, ist es uns möglich ein Urvertrauen in uns selbst, die Welt und die Mitmenschen aufzubauen. Diese Sicherheit entsteht durch menschliche Zuneigung*. Krippenbetreuung in den ersten Lebensjahren ist deshalb tatsächlich nicht zu empfehlen.

*(Deshalb sind die Diskussionen mit homosexuellen Paaren, die Eltern werden wollen, auch so schwierig. Bei lesbischen Paaren ist die Bindung zwischen Kind und der biologischen Mutter zumindest möglich, bei schwulen Paaren jedoch gar nicht. Kinder, aber nur heterosexuellen und lesbischen Pärchen zu erlauben, aber schwulen nicht, käme gesellschaftlicher Diskriminierung gleich.)


Wir müssen auf die emotionalen Bedürfnisse von Kindern eingehen, sie jedoch nicht verwöhnen! Verwöhnung ist keine vertrauenswürdige Sicherheit, eher das Gegenteil. Ich verwöhne dich, weil ich dir die Wirklichkeit nicht zutraue. Ihr entspringen dieselben Symptome, wie emotionaler Vernachlässigung.


Vernachlässigte Menschen, denen Urvertrauen fehlt, leben mit einer permanenten unterschwelligen psychischen Unsicherheit. Sie lassen sich schnell entmutigen, werden nur schlecht mit Wiederständen fertig und leiden vermehrt unter Beziehungsstörungen. Verwöhnten Menschen fehlt ebenso Ausdauer, sie resignieren schnell, suchen Schuldige, haben Angst vor neuen Aufgaben/Anforderungen, eine immense Konsumhaltung und fehlendes Zutrauen in eigene Fähigkeiten.


Menschen mit Urvertrauen haben eine positive Sicht auf sich selbst, eine gute Stresstoleranz, gute Beziehungs- und Kontaktfähigkeit, eine stabile psychische Verfassung, sowie allg. bessere Gesundheit und Zufriedenheit. Zudem sind jene Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit die besseren Eltern, weil sie Selbsterfahrenes einfacher weitergeben können.


Die Folge emotionaler Vernachlässigung ist vor allem die später erschwerte Beziehungs-, bzw. Konflikt-, Kommunikations- und Liebesfähigkeit. Bindungsstörungen durch Vernachlässigung oder Verwöhnung produzieren Beziehungsstörungen. Das Beziehungsverhalten der Eltern wird von den Kindern meist 1 zu 1 übernommen. Kinder feinfühliger Eltern werden später z. B. meist feinfühlig auf ihre Partner reagieren. Jedoch langanhaltende psychosoziale Belastungen wie Angst, Überreizung und Überforderung provozieren eine verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen, dies kann die kindliche Gehirnentwicklung schädigen und im Gehirn nachweislich «biologische Narben» bilden. Jene können lebenslang den Umgang mit Stress erschweren. So können sich folglich leichter Persönlichkeits- und Bindungsstörungen, Depressionen, Suizidversuche, Drogenmissbräuche, aber auch Übergewicht und Herzkrankheiten entwickeln. Nicht überraschend führen schwere Traumas zu schweren emotionalen Entwicklungsstörungen. Fast ausnahmslos berichten in Studien Borderline-Patienten von unsicheren Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit mit geringer Aufmerksamkeit und Feingefühl der Eltern für die Bedürfnisse und Gefühle des Babys/Kindes.


Schein-Elternliebe

Verwöhnte Kinder machen zwar oft die Erfahrung von Elter-Liebe, haben aber nie gelernt Liebe (zurück) zu geben. Wie das? Diese Eltern-Liebe mag zwar aufrichtig gemeint sein, aber ihr fehlt Wahrhaftigkeit. Es ist keine aufrichtige Eltern-Liebe, die wirklich das Beste für das Kind will, nämlich die zukünftige Selbständigkeit, Gemeinschaftsverständnis und funktionierende Beziehungen für das Kind. Also etwas von sich aus schenken zu können, Einsatz zeigen zu können, ohne Gegenleistung zu verlangen, oder sofort zu erwarten. Das ist essentiell für (Liebes-) Beziehungsfähigkeit. Wir müssen lernen investieren zu können, in uns, in andere, in die Gemeinschaft. Oft finden solche Menschen Partnerschaften mit Helfertypen, die meist aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus, solche Tyrannen suchen. Sie opfern sich auf, also investieren in die Beziehung kompensatorisch zu viel, damit diese gelebt werden kann, da vom Tyrannen nichts kommen wird.


Kinder und Karriere

Das gleichzeitige tragen von Kind und Karriere sind in der grossen Mehrheit nicht zu vereinbaren. Wenn dann hintereinander. Doch Elternschaft ist, je nach Beruf, gerade bei Mütter, nicht beliebt, da es meist eine Teilzeitarbeit nach sich zieht. Karriere bedeutet heute völlige Präsenz und Verfügbarkeit im Beruf und mit dem Wissen um die Folgen von emotionaler Vernachlässigung. So müssen Eltern einen Spagat bewältigen, der meist nicht machbar ist.


Work-Life-Balance sagt schon sehr viel über die heutige Dramatik: Die Vereinbarkeit zwischen Beruf einerseits und dem restlichen Leben andererseits, die Prioritäten haben sich klar geändert und zwar bei beiden Geschlechtern. Der Trend geht bei beiden eher Richtung Selbstverwirklichung, statt Nachwuchsverantwortung (denn der eigene direkte Benefit bleibt meist aus, bei einer Investition in eine andere Generation).


Frauen wollen (zurecht) nicht mehr (nur) am Herd stehen und sich ebenso berufliche Anerkennung erarbeiten. Jedoch jene die es freiwillig wollen, werden belächelt und mit Verachtung bestraft – meist von anderen Frauen. Von alleinerziehenden Eltern ganz zu schweigen.


Die Menschen spüren das Ungleichgewicht und das Wesentliches zu kurz kommt, sehen aber im derzeitigen Gesellschaftswandel nicht viele Alternativen. Zeit und Energie sind begrenzte Ressourcen, wir können nicht alles haben, wollen es aber. Balance ist eine gute Idee, aber das Geld ist in den Familien letztlich wichtiger. Da sich dann die Mehrheit für eine berufliche Mehrbelastung, statt für die Investition in die Familie entscheidet, führen Schuldgefühle in den Verwöhnungskreislauf.


Die Politik begünstigt bewusst oder unbewusst diese Entmachtung der Familie. Indem die Eltern möglichst früh wieder in den Arbeitsprozess eingeführt werden, fällt die Frühkindliche Erziehung meist zwangsläufig in staatliche Hände, was mit grosser Wahrscheinlichkeit bindungs-behinderte/-unfähige Menschen produziert, die mit einem Hass auf die Welt leben (Produkt von Verwöhnung).


Es ist mehr als erstaunlich, dass die Politik, obwohl sie über die wissenschaftlichen Fakten der Bindungs-Entwicklung von Menschen weiss, Familienverstaatlichung propagiert.


Es scheint die Formel zu gelten: Mehr Kinder + mehr berufstätige Frauen = Mehr Arbeitskräfte (damit auch mehr Steuern) und mehr wirtschaftlicher Wachstum.


Kapitalismus braucht keine glücklichen Menschen, nur funktionierende. Damit ist er nicht schlecht, aber halt auch nicht ideal. Die Frauen sollen, wie gesagt, vom «Herd» befreit werden und müssten doch jetzt dankbar sich der Selbstverwirklichung widmen. Unter dem Deckmantel «Familien sollen keine Nachteile haben und vom Staat unterstütz werden» und dem egalitären Feminismus, sowie der absoluten Gleichmachung der Gender Mainstreaming-Bewegung, wird die ursprüngliche, biologische Familie als kleinste Gemeinschaftseinheit allen Lebens, diskriminiert und erschwert. Statt einer Staatsfinanzierung von Familien, sollte vielmehr eine gesellschaftliche Aufwertung von Mütter, Väter und Kinder stattfinden. Wenn es keine gelebte nur noch funktionierende Familien mehr gibt, gibt es keine heimatlich verbundene Bevölkerung mehr, sondern nur noch Materialismus, Habgier und Erfolgsstreben.



5. Folgen der Verwöhnung - Verwöhnung ist schädlich

Die Folge von Verwöhnung kann Verhaltensstörung und Kriminalität sein. Verwöhnung und Gewaltbereitschaft sind leider ineinander verzahnt. Wenn Eltern, bis in die Schulzeit hinein, ihren Kindern jegliche Schwierigkeiten aus dem Weg räumen und alle Wünsche von den Lippen ablesen, machen die Kinder dann ausserhalb des Wirkungskreises der Eltern, wenn die Gesellschaft erstmals Anstrengung und Leistung von ihnen erwartet, die Erfahrung, dass sie scheitern. Das können die Kinder nicht verstehen. Wie auch, denn bisher hat man alles abgenommen und fünf gerade sein lassen. Doch jetzt scheint die Welt gnadenlos. Sie sollen plötzlich Verantwortung für sich und ihre Zukunft tragen, etwas dass sie nie im Ansatz mussten. Ihr überproportionales Ego verlangt in dieser Überforderung trotzdem klar nach Erfolg, Dominanz, Prestige und Anerkennung, ihre Charakteren haben etwas tyrannisches entwickelt.


Man ist gewohnt, d. h. es ist das Normal, zu bekommen was man will. Da ist es nicht verwunderlich, dass man dafür auch mal «über Leichen geht», sprich mit verbaler oder physischer Gewalt. Es ist schlicht legitim in ihrem Verständnis. Zudem ist keine genügende Frustrationstoleranz da, die mit diesem programmierten Scheitern umgehen könnte. Unzufriedenheit und Wut und deren Auswirkungen sind logische Folgen. Diese Kinder sind selbst zu tiefst unglücklich über ihre eigenen Unfähigkeiten, sie haben schlichtweg keine Fertigkeiten fürs Leben gelernt und tragen dieses Manko meist mit ins Erwachsenenalter.


Nicht erstaunlich, sind viele Zurückgewiesene und Ausgeschlossene, in der Schulzeit, verwöhnte Kinder. Das konfliktfreie Miteinander in einer Gruppe haben sie fürs Leben nicht mitbekommen. Ihr Verhalten zeigt sich eher im egoistischen Durchsetzen, Bestimmen-wollen und Gekränkt sein, wenn es nicht so ist. Kindergruppen schliessen solche Kinder relativ schnell aus. Man hat in Untersuchungen festgestellt, dass sich Kooperative besonders dann miteinander verbünden, wenn sie Egoisten damit bestrafen, weil sie sich deren Egoismus nicht gefallen lassen wollen. Diese Zurückgewiesenen reagieren darauf ausnahmslos mit Aggression gegen sich und andere, auch gegen unbeteiligte.


Rachsucht wird auch bei den Folgen der Verwöhnung zum Thema. Schadenfreude, Rache und Eifersucht keimen bei jenen Menschen schneller, die sich gewohnt sind immer belohnt zu werden. Mehr Lohn gegen mehr Gegenleistung ist ihnen fremd. Mütter haben eine Tendenz Buben mehr zu verwöhnen als Mädchen. Auch kann der Junge der ganze Stolz des Vaters sein und die Mutter hat kein Spielraum ihn mal für Fehlverhalten zu rügen. Besonders in patriarchalischen Gesellschaften ist daher Gewalt an Frauen fast normal. Ein verwöhnter Junge erwartet dann von seiner zukünftigen Frau, dass sie ihn ebenso verwöhnt - ohne Gegenleistung. Solche Männer tun sich schwer, wenn Frauen ihnen beruflich und geistig überlegen sind. Leider ist oft Alkohol mit im Spiel wenn zugeschlagen wird und alle Hemmungen fallen. Natürlich ist auch die Weibliche Version möglich. Die Männliche ist leider die häufigere.


Was hier diesen verwöhnten Menschen fehlt nennt sich Empathie. Empathie ist die Fähigkeit sich in die Lage der anderen hineinversetzen zu können. Einer mitfühlenden Person tut es selber weh wenn sie jemand anderes verletzt. Um andern Gewalt antun zu können, muss dieses Mitgefühl verdrängt werden.


Empathie hemmt also Aggression, hält sie in der Ausübung zurück. Dieses Einfühlungsvermögen ist die Grundlage für Gemeinschaft, für ein Miteinander. Mit der sicheren Bindung in den ersten drei Lebensjahren schafft man die Grundlage für Empathisch, Entwicklung für Gemeinschaftsgefühl, Kooperation und Teilen. Erziehern dürfen Mut für mehr Disziplin, Respekt und Pflichtgefühl wagen. Dies ist die beste Prävention nicht dissozial zu werden.


Kurze Anmerkung zu Gewalt und elektronische Medien

Die Psychologie kann die Diskussion um die umstrittenen, gewaltverherrlichenden Filme und Computerspiele für die Entwicklung bei Kinder und Jugendliche nicht eindeutig beantworten. Festgestellt wurde jedoch, dass eine Abstumpfung der Gefühle stattfindet, auch bei Erwachsenen. Jene Personen reagieren mit einer deutlich verminderten Sensibilität auf emotional belastete Bilder. Das Gehirn stuft Schlimmes, als eher weniger schlimm ein, damit es erträglicher wird; also ein Gewöhnungseffekt wird deutlich. Längerfristig kann dadurch auch eine Verminderung der Empathie stattfinden.


Elektronische Medien sind immer mehr Miterzieher. Wenn Eltern aus Verwöhnung heraus ihre Kinder ungefilterten und unüberwachten Zugang zum Fernsehen und Internet gewähren, nehmen sie in Kauf, dass ihre Kinder Bilder ausgesetzt werden, die ihre Psyche noch nicht verarbeiten kann und sie abstumpfen lässt. Man soll den Kindern die moderne Welt nicht verbieten, aber schützende Grenzen setzen; sie im Guten damit fördern, nicht mit grenzenlosem Zugang überfordern.


Weiter geht es mit Teil 3


Literatur: Reinhold Ruthe, Verwöhnt – bestraft fürs Leben, 2010 Brunner Verlag Basel, Giessen







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