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Die Selbstfokussierung in unserer Zeit - Egoismus, Narzissmus und Perfektionismus

Egoismus - Narzissmus und Perfektionismus: Wie der heutige Zeitgeist der Selbstfokussierung uns schadet und was uns wirklich hilft.

Der Vortrag von R. Bonelli umfasst so viele Aspekte, worauf ich Selbstcourage und meine Beratung baue, dass mir der folgende Text besonders am Herzen liegt und ich ihn darum auch ausführlich gestaltet habe.

Egoismus - Narzissmus und Perfektionismus - unser Zeitgeist

Inhalt:





1. Unsere Selbstbezogenheit - gefangen in uns selbst

Der Neurowissenschaftler und Psychiater Raphael Bonelli spricht in seinem Vortrag darüber, dass viele Menschen heutzutage in einer Selbstbezogenheit gefangen sind und dass dies ein wichtiges Phänomen in der Psychiatrie ist. Dieses Selbstbezogenheitsproblem kann auf verschiedene Ebenen und Dimensionen des Menschen auftreten, die er uns noch im Verlauf des Textes genauer erklärt.


Die Anzeichen dafür, dass jemand in sich selbst gefangen ist, sind Schwierigkeiten, sich für andere zu öffnen, sei es auf individueller oder kollektiver Ebene. Vom Philosophen Martin Buber kennen wir, dass der Mensch erst im Zusammensein mit anderen Menschen zu einem vollständigen Ich wird und sich entfalten kann. Der Mensch wird am Du zum Ich. Wenn diese Interaktion nicht stattfindet, ergeben sich zwischenmenschliche Probleme.


Dieser Vortrag thematisiert verschiedene Begriffe im Zusammenhang mit Selbstbezogenheit, darunter Egozentrik und Egoismus. Egozentrisch sein ist ein weniger wertender Begriff, während Egoismus oft als negativ betrachtet wird. Bonelli erwähnt auch den Begriff "Ich-haft", der auch näher erläutert wird und den Patienten in seiner Praxis hilft, ihr Problem präziser zu verstehen. Dieser Begriff ist nicht wertend gemeint, aber beschreibt das Problem der Menschen sehr genau.


1.2. Die 3 Ebenen des Menschen

Bonelli verwendet für die Erklärung der drei Ebenen des Menschen gerne eine "Schneemann-Figur", also drei übereinandergestapelte Kreise.


  1. Die untere Ebene, die als "Bauch" bezeichnet wird, repräsentiert die emotionalen Aspekte des Menschen, obwohl sie eigentlich tatsächlich im Gehirn stattfinden. Er nennt sie "Bauchgefühle". Ich nenne es auch Lust/Unlust-Instanz. Hier wohnt sowohl unser Schweinehund, aber auch der Nimmersatt und Eros.

  2. Die zweite Ebene ist der "Kopf", der für intellektuelle Funktionen steht. Hier ist für mich die Gewissensinstanz, die Ideale, das was wir mal gelernt haben, was wir alles tun sollen oder sollten.

  3. Zwischen Kopf und Bauch verwendet Bonelli die Metapher des "Herzens", die als zentrales Konzept in seinem Vortrag dient. Hier ist die Moral, hier stehen unsere Werte nach denen wir streben wollen. Individualpsychologisch, wie auch biblisch, finde ich das wirklich sehr treffend. Für mich steht hier das Herz als die Motivations- und Entscheidungsinstanz, weil das sinnbildlich eben nicht im Kopf stattfindet.


Auch Sigmund Freud hatte ein dreiteiliges Konzept aus Es, Ich und Über-Ich. Das "Es" könnte man mit dem Bauch gleichsetzen, denn auch er dient hier als Sitz der Bauchgefühle und Emotionen. Bonelli verwendet diese Begriffe aber anders, was aber noch erklärt wird.


Bei Freud funktioniert das "Es" (Bauchgefühl) nach dem Prinzip der Lust (Begierde) und Unlust (Angst) und kennt keine Moral. Also das Bauchgefühl hat die Funktion der Lust-Maximierung und der Unlust-Vermeidung. Bauchgefühle sind aber weder böse noch schlecht, sondern spielen eine wichtige Rolle bei unserer Selbsterhaltung. Es ist für die Menschheit z. B. nützlich Lust auf Essen, Trinken und Sex zu haben oder Angst vor wilden Tieren. Es ist jedoch entscheidend, dass wir all diese Gefühle mit dem Kopf überdenken und prüfen, weil nicht immer ist der Chef ein wildes Tier oder die Lust auf Sex beim Gegenüber immer erwünscht.


Unlust-Vermeidung

Die Unlust-Vermeidung ist ein wichtiger Aspekt des Bauchgefühls, aber auch ein klassischer Motivator in der Individualpsychologie. Ein klassisches Beispiel für Unlust-Vermeidung ist wie erwähnt die Angst. Angst ist ein aversives und nützliches Gefühl, das uns dazu bringt, uns von unangenehmen Dingen abzuwenden. Die Angst, die Vermeidung, dient dem Schutz, beispielsweise vor Gefahren. Menschen sollten Angst haben, wenn sie in gefährliche Situationen kommen, da dies ihre Überlebenschancen erhöht. Das Konzept der Angst dient also der Lust-Maximierung (Überleben) und der Unlust-Vermeidung (Vermeidung von Gefahr).


Übermässige Angst, die als pathologische Angst bezeichnet wird, kann hingegen Menschen lähmen. Diese Art von Angst ist egozentrisch und bezieht sich immer auf das eigene Wohlbefinden. Selbst wenn jemand Angst davor hat, dass eine andere Person stirbt, besteht die Grundangst darin, nachher alleine zu sein. Dieser Aspekt wird von Angstpatienten oft übersehen. Angst dient der reinen Selbsterhaltung und ist daher immer egozentrisch ausgerichtet. Die Unlust-Vermeidung ist also ein Ausdruck davon und kann problematisch sein, wenn es kein Gleichgewicht bzw. Korrekturmechanismen zwischen diesem Kollektiv, aus Bauch und Kopf, gibt. Denn dann kann dies zu zufälligen Verhaltensweisen (z. B. Irrationale Ängste) führen.


Lust-Maximierung

Lust-Maximierung steht mit Vergnügen und Genuss in Verbindung, wie etwa Wein, Weib (Beziehungen) und Gesang, klassischerweise auch mit Sexualität, Alkohol, und Essen. Die sieben Todsünden der christlichen Tradition stehen Symbolhaft dafür. Die Psychologie hat diese sieben Todsünden wieder neu entdeckt, da es faszinierend ist, welche Verhaltensweisen der Mensch an den Tag legen kann.


Auch Lust-Maximierung ist an sich nicht schlecht, da Essen, Trinken und Sex notwendige und normale Aspekte des Lebens sind. Es ist jedoch natürlich wichtig das richtige Mass zu finden, da Übertreibungen negative Konsequenzen haben können. Der Bauch allein kann das richtige Mass nicht immer bestimmen, daher ist die zweite Ebene des Kopfes erforderlich. Der Kopf dient als kognitives Korrektiv für unsere Gefühle und hilft wesentlich dabei vernünftige Entscheidungen zu treffen.


Heutzutage neigen viele Menschen dazu, zu glauben, dass ihre eigenen Gefühle die absolute Wahrheit repräsentieren. In den 80er-Jahren rieten schlechte Psychotherapeuten ihren Patienten, ihren Gefühlen bedingungslos zu folgen, was aber kompletter Unsinn ist! Sagen sie das mal einem Pädophilen oder Kriminellen! Also so ein Ansatz ist nicht für alle Menschen geeignet, da Menschen sehr unterschiedliche und auch negative Neigungen und Verhaltensweisen haben können.


Und nochmals, für jedes Gefühl ist das kognitive Korrektiv des Kopfes notwendig, um zu prüfen, ob der Input des Gefühls, vernünftig und nützlich ist. Diese Unterscheidung zwischen kurzfristigen und langfristigen Folgen ist eine wichtige Funktion des Kopfes, die dem Menschen für sein Leben hilft. Dies unterscheidet uns von Tieren.


Es gibt nun auch eine Dimension des Herzens. Das Herz unterscheidet zwischen Gut und Böse. Diese moralische Instanz ist rein subjektiv. Hier finden sich aber auch die individuellen Werte. Eine, die den meisten Menschen gemeinsam ist, ist z. B. diese eine christliche, goldene Regel "Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu." Wenn der Bauch dann sagt "ich habe Lust" und der Kopf interveniert, "aber Du sollst", kann im Herzen der Werte-Kompass Orientierung geben, wie jetzt entschieden werden soll. Unbewusst stellt sich die Frage: Erreiche ich damit z. B. die goldene Regel oder irgend ein anderes unbewusstes Lebensziel?


Weil wir uns unseren Werten oftmals gar nicht so bewusst sind ist es fürs erste bereits sehr hilfreich sich beim nächsten Bauchgefühl einfach zu fragen: Ist es nützlich? Ist es vernünftig?


Bonelli vergleicht seine Ansichten mit denen von Sigmund Freud, der zwar, wie bereits erwähnt, das "Es" ähnlich wie der Bauch sieht, aber das "Über-Ich" als moralische Normen betrachtet, die von aussen auferlegt werden. Der Kopf wird wirklich stark von äusseren Einflüssen und Umweltbedingungen beeinflusst und Menschen werden oft über den Kopf manipuliert. Der Mensch ist ein lenkbares, manipulierbares Wesen. Auch in der Individualpsychologie berücksichtigen wir die sozialprägenden Einflüsse aus der Umwelt in der Kindheit auf den Lebensstil. Manipulierbarkeit oder Lenkbarkeit ist eine generelle menschliche Eigenschaft. Das reicht von einfachem Training bis zur Gehirnwäsche. Wir sind formbar, wenn wir es zulassen. Das ist eine Tatsache und das müssen wir über uns wissen und akzeptieren, wenn wir selbstreflektiert sein wollen. Durch Bauchgefühle und Gewissensbisse lenken und manipulieren wir uns sogar selbst, aber wir können natürlich auch anderen, abgesehen von Gewalt, ins Gewissen reden oder durch Bauchgefühle manipulieren.


Die Psychotherapie gebraucht unserer Manipulierbarkeit auf positive Weise und setzt dazu normalerweise am Kopf an, indem sie Vernunft und Gespräche nutzt, um die Gefühle zu verstehen und dem Patienten bei der Entscheidungsfindung zu helfen. Denn der Mensch ist zur Glück zur Reflexion fähig, was ihn so zu einem lernfähigen Wesen macht. Das ist ein wesentlicher Schlüssel seines Erfolges. Das Herz ist dabei die Entscheidungsmitte des Menschen, sein Kompass, wo er sich wahrhaftig sein Schicksal entscheidet. Weil er hier die Wahl trifft in welche Richtung er sich bewegen will, bzw. wonach er sich im Leben ausrichtet oder nochmals anders, wonach er strebt. Und diese Richtung oder Lebensziel bestimmt, individualpsychologisch betrachtet, seine Wahrnehmung, sein Denken, Fühlen und Handeln.


1.3. Temperament, Persönlichkeit und Charakter

Sigmund Freuds sieht die Menschen als unfrei, da sie von Bauchgefühlen, die Lust anstreben und Unlust vermeiden, sowie von moralischen Normen des Über-Ich's angetrieben werden. In der modernen Psychologie werden jedoch andere Begriffe verwendet, um die verschiedenen Ebenen der Psyche zu beschreiben. Bonelli illustriert dies eben durch Bauch, Herz und Kopf.


Das Bauchgefühl wird dabei oft mit dem Temperament in Verbindung gebracht und hat eine genetische und körperliche Komponente. Das Temperament, ob Choleriker, Sanguiniker, Melancholiker oder Phlegmatiker, ist angeboren und ändert sich im Laufe des Lebens nicht grundlegend. Es macht etwa 40 Prozent aus.


Was nun aber aus unserer Erbanlage von aussen (Umwelt) und gemacht wird, erzeugt unsere Persönlichkeit. Also vieles vom Kopf fliesst in die Persönlichkeit. Die Persönlichkeit, die sich aus einer Kombination von Temperament und Kopf entwickelt, macht auch ca. 40 Prozent des Verhaltens aus.


Der Charakter, wie von Immanuel Kant beschrieben, ist das, was der Mensch nun aus sich selbst macht, aus seinen Interpretationen, Schlussfolgerungen aus Erfahrungen, innere Überzeugungen und letztlich Entscheidungen. Dies macht jedoch lediglich etwa 20 Prozent des Verhaltens aus. Es ist jedoch möglich, den Charakter zu beeinflussen, indem man die Dimensionen der Persönlichkeit bewusst gestaltet, sich reflektiert und Neubewertungen macht.


Unsere Interaktion mit der Umwelt hat einen erheblichen Einfluss auf unsere Persönlichkeit und unser Verhalten. Wir stehen ständig im Wechselwirkung mit unserer Umgebung. So können wir aber auch bewusst entscheiden mit was wir uns umgeben und welche Einflüsse wir zulassen, die wiederum unser Verhalten und unsere Persönlichkeit beeinflussen.



Egoismus - Narzissmus und Perfektionismus - Liebe dich selbst?!

2. Egoismus - Narzissmus und Perfektionismus

Das war bisher eine Übersicht von R. Bonelli, wie die menschliche Psyche funktioniert, basierend auf Hunderten von Studien bis zum Stand des Jahres 2019. Doch wo hat nun die Egozentrik in diesem Modell der drei Ebenen ihren Platz?


Die erste Ebene ist die Egozentrik des Bauches, die sich bekanntlich auf Lust-Maximierung und Unlust-Vermeidung bezieht. Ein Super-Egozentriker konzentriert sich ausschliesslich auf seine eigenen Wünsche und ist rücksichtslos (ungehaltene Lust-Maximierung).


Interessanter ist die Egozentrik der Unlust-Vermeidung, die oft bescheiden, freundlich und selbstlos wirkt. Dies manifestiert sich in Form von Perfektionismus, wobei Perfektionisten Dinge nicht unbedingt gut machen wollen, sondern in erster Linie, damit andere sie positiv wahrnehmen und sie gut dastehen. Sie tragen die Maske der Perfektion und die grosse Angst des Perfektionisten ist ja, dass man erkennen könnte, dass er nicht perfekt ist. Die Motivation des Perfektionisten ist also nicht die Sache selbst, sondern das eigene Selbst. Diese Störung nimmt zu und viele Menschen sind davon betroffen. Die Gründe dafür werden später im Text weiter erörtert.


Auf der Ebene des Kopfes existiert die ideologische Egozentrik, die wichtige Überlegungen erfordert. Ideologische Egozentrik manifestiert sich durch Ideologien, die im Kopf entstehen und das Verhalten beeinflussen. Ein Beispiel dafür ist die Ideologie, zuerst an sich selbst zu denken. Eine andere weitverbreitete Ideologie ist die Vorstellung, dass man sich selbst zuerst lieben muss, bevor man andere lieben kann. Diese Vorstellung ist eigentlich Unsinn, da die Selbstliebe ohnehin eine natürliche Tendenz ist, die durch den Grundsatz "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" in einen Vergleich gesetzt wird. Der Massstab, der Orientierungspunkt ist die Selbstliebe. Also wenn man den anderen wie sich selbst liebt, dann sieht man ihn auf gleicher Augenhöhe. Man sich liebt sich sowieso zuerst selbst. Sigmund Freud hat dies als primären Narzissmus beschrieben.


Die tiefste und schwierigste Form der Egozentrik ist in der Psychiatrie der Narzissmus. Er liegt auf der Ebene des Herzens und wird als die herausforderndste Form der Egozentrik betrachtet.


Alle Tendenzen des Selbstkreisens in den verschiedenen Formen der Egozentrik sind ungesund

  • Angst (Perfektionismus)

  • Selbstverliebtheit (Narzissmus)

  • und die ideologische Egozentrik


Ein grosser Unterschied zwischen Narzissten und Perfektionisten ist, Narzissten haben oft Charisma und manipulative Fähigkeiten, während Perfektionisten ängstlicher sind und sich selbst unter enormen Stress setzen. Interessant ist jedoch, dass es fliessende Übergänge zwischen Perfektionismus und Narzissmus gibt. Ein Perfektionist ist meistens jünger und noch nicht erfolgreich, aber wenn er fleissig ist und kein Burnout bekommt, was viele Perfektionisten bekommen, dann wird er immer erfolgreicher. Die Angst vor der Unperfektion verschwindet mit der Zeit. Mit zunehmendem Erfolg und Anerkennung lernt er dann, dass er gut genug, vielleicht sogar exzellent ist. Dies führt dazu, dass das Selbst nicht mehr ängstlich um sich selbst dreht, sondern beginnt von nun an selbstverliebt um sich selbst zu kreisen, was ebenfalls problematisch ist.


Viele Therapeuten behandeln bei Perfektionismus leider nur die Angst. Dies kann in die falsche Richtung führen, da der Mensch von Natur aus auf Beziehungen, auf ein Du ausgerichtet ist. Der Mensch braucht ein "Du", um zu einem wahren "Ich" zu gelangen, und dies ist entscheidend. Siegmund Freud argumentiert, dass Menschen narzisstisch auf die Welt kommen, aber der Mensch kommt anfangs eher als "Es" auf die Welt, als reiner Bauch, ohne einen entwickelten Kopf oder ein ausgereiftes Herz. Der Narzisst verschliesst sich auf Herzensebene vor dem Du und fällt zurück auf sich selbst, er bezieht sich ausschliesslich auf sich selbst.


Das Herz benötigt den Kopf. Wer nicht denkt und nur fühlt, kann auch kein Herz haben. Verlieben tun wir uns nämlich sinnbildlich mit dem Bauch. Das ist Eros. Eros passiert einfach, ist ein Bauchgefühl und wird nicht bewusst gewählt. Was wir uns hingegen aussuchen ist die Agape. Das ist die willentliche Hingabe an jemanden anderen oder an etwas Höheres. Das ist die Liebe, die treu sein kann. Sie ist die wahre Liebe des Herzens.


Bei dem Phänomen der Verdrängung, verbergen Menschen ihre wahren Gefühle oder Handlungen vor sich selbst. Ein häufiges Beispiel ist, wenn ein verheirateter Mann/Frau sich in seine Nachbar/in verliebt. Viele Menschen verdrängen diese Gefühle, indem sie sich einreden, dass sie sich um die andere Person "kümmern" müssen, weil sie z. B. so einsam ist. Dies führt zu Handlungen, die auf der verdrängten Anziehung basieren. Ironisch dabei ist, dass alle anderen rund herum genau wissen, was für Absichten und Gefühle man hat, nur man selbst hat diese vor sich selbst verdrängt. Menschen verdrängen oft, um unangenehme Wahrheiten zu vermeiden, was dazu führt, dass zwar der Kopf und das Herz ausgetrickst werden, die Bauchgefühle sind aber trotzdem handlungswirksam.


Alle Menschen, ob sie es realisieren oder nicht, sind in gewissem Masse egozentrisch und kreisen entweder um ihre Lust (Lust-Maximierung) oder vor Unlust (Unlust-Vermeidung). Die Vernunft (Kopf) spielt dabei eine wichtige Rolle und die Treue zu den eigenen Werten, auf Herzensbasis, ist massgeblich. Der Kopf ist ja ohnehin sehr wendig, quasi ein Wendehals. Von der "menschlichen Vernunft" ist nicht so viel zu halten. Wir können alles irgendwie erklären, schönreden, rechtfertigen - und so verdrängen. Die Grundfrage ist also: Wie entscheidet sich der Mensch? Und erst danach: Kann er logisch denken oder nicht?


Narzissmus und Perfektionismus, als verbreitete Formen der Egozentrik, führen im Besonderen oft zur Schuld-Verdrängung. Dies zeigt sich in der Unfähigkeit zur Demut sich klein machen machen zu können und sich die eigene Schuld einzugestehen, deshalb muss sie verdrängt werden. Daher können sich solche Menschen auch nicht aufrichtig entschuldigen. Also um Verzeihung bitten, müsste man richtigerweise sagen. Denn "ent-schuldigen" kann man sich nicht selber, sondern man bittet um Ent-schuld-igung und der andere sagt ich ent-schuldige dich. Erst dann ist die Schuld weg, zumindest die Schuld zwischen den beiden Personen. Aber man kann nicht sagen, ich entschuldige mich, fertig, Sache ist erledigt. Selbst-entschuldigen geht irgendwie nicht. Aber das verlangt eine Ausrichtung auf ein Du und diese Grösse haben weder Narzisst noch Perfektionist.


Mann und Frau sind ungefähr zu gleichen Teilen egozentrisch veranlagt, agieren aber oftmals aus verschiedenen Motiven egozentrisch. Männer sind fast doppelt so häufig wie Frauen narzisstisch, dafür sind Frauen mehr perfektionistisch. Frauen sind in der Gruppe eher auf die Meinung anderer fixiert und Männer tendieren dazu, generell mit sich selber zufriedener zu sein.


"Danke", "Bitte" und "Entschuldigung" spielen eine entscheidende Rolle bei der Entblockierung von Beziehungen und fördern einen respektvollen Umgang miteinander. Die "Entschuldigung" eine besonders anspruchsvolle Geste für unser Ego, eine Königsdisziplin sozusagen. "Danke" und "Bitte" würdigen und bedeuten, dass man die Leistungen und Bemühungen des anderen schätzt. Oftmals vernachlässigen Menschen diese Ausdrücke der Höflichkeit. Undankbarkeit kann Beziehungen längerfristig sehr belasten.


Narzissmus ist in aller Munde. Dies verdeutlicht die Relevanz des Themas und wie es sich in realen Beziehungen manifestieren kann. Eine besondere Beobachtung dabei ist, dass viele, gerade Frauen, sich für das Thema interessieren. Alle meinen sie solch ein "Exemplar" des männlichen Narzissmus zu Hause zu haben. Nie ist jemand selbst davon betroffen!


Die Bedeutung von Dankbarkeit lädt ein über die eigenen Beziehungen nachzudenken. Wie oft dankst Du Deinem Partner und wie oft beklagst Du Dich über sie/ihn? Das Fehlen von Dankbarkeit wird als ein häufiges Problem identifiziert. Ein einfaches, regelmässiges "Danke" und "Bitte" kann Beziehung entgiften und stärken.


"Dienst" oder "dienen" ist ein Schlüssel in der Therapie des Perfektionismus, aber auch des Narzissmus. Bonelli argumentiert, dass gerade Arbeit als Dienst betrachtet werden sollte, um einen gesunden Ansatz zu gewährleisten. Dienen aus einer inneren Haltung. Burnout ist zu 90 Prozent ein Arbeiten aus den falschen Motiven. Ganz oft ist es das Streben nach Anerkennung und Lob von anderen, besonders einem "Chef", was oft zu einem perfektionistischen Hamsterrad führt, in dem man immer mehr arbeitet, um Bestätigung zu erhalten. Man rasselt also in ein Burnout, nicht weil man zu viel arbeitet, sondern weil man aus den falschen Gründen arbeitet und keine gesunden Prioritäten setzt.


Arbeit hingegen, als Dienst, trägt zur eigenen Gesundheit bei. Wir sind auch als Gesellschaft dazu aufgefordert, die Bedeutung der Arbeit neu zu überdenken. Heutzutage werden sogar Berufsbezeichnungen aufgewertet, da sich augenscheinlich Menschen immer mehr über ihren Beruf definieren. Dies führt dazu, dass wir ein Ungleichgewicht in unserem Leben erfahren und oft nur aus Karrieregründen handeln und wahnsinnig bluffen müssen, anstatt das zu tun, was uns wirklich Freude bereitet. Dieser Trend ist problematisch, da er die Lebensqualität massiv beeinträchtigt.


Demut vs. Hochmut

Demut und Hochmut haben einen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Selbstwahrnehmung von uns Menschen. Meine Hypothese ist, dass Demut und Hingabe eine gesunde Geisteshaltung darstellen, bei dem sich ein Mensch dem Leben und anderen Menschen ohne das Risiko der Selbstverleugnung hingibt. Ich betrachte das als förderlich für zwischenmenschliche Beziehungen und die Fähigkeit zur Selbsttranszendenz, was wiederum zu einem erfüllten Leben führen kann.

Auf der anderen Seite tritt Hochmut individualpsychologisch als Reaktion auf Minderwertigkeitsgefühle auf. Wenn Menschen sich minderwertig fühlen, versuchen sie unbewusst diese Gefühle durch Hochmut zu kompensieren. Dies führt zu Stress und Verzerrungen des eigenen Selbstbilds .


Die Lösung für Minderwertigkeitsgefühle und Hochmut liegt meines Erachtens in der Demut. Demut ermöglicht es den Menschen, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Sie müssen nicht ständig nach Anerkennung suchen, sondern können sich darauf konzentrieren, durch Beiträge und Hilfe für andere, einen Mehrwert zu schaffen, ganz nach Alfred Adlers Gemeinschaftsgefühl. Ein WIR-Gefühl stärkt das eigene Selbstwertgefühl.


Ich ermutige dazu das Streben nach Prestige und Selbstinszenierung aufzugeben. Stattdessen sollte man nach höheren Zwecken und seiner Berufungen suchen, bei denen man sich selbstvergessen einbringen kann (Selbsttranstendenz). Das bestätigt uns auch die Flow- bzw. Glücksforschung. Dies ist ein möglicher Weg zu Zufriedenheit und Wohlbefinden.


Zusammengefasst, die Bedeutung von Demut bzw. Dienst als Haltung ist ein Schlüssel zur inneren Heilung und zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Es kann auch beitragen, dass man Selbsttranszendenz erreicht.


Der Geschlechternarzissmus wird als ein spezielles Beispiel des Narzissmus betrachtet, bei dem eine Person sich selbst als überlegen ansieht und andere abwertet, insbesondere in Bezug auf das Geschlecht. Das ist z. B. die Haltung: "Ich bin eine Frau, was willst du mir sagen? Du bist nur ein Mann. Du musst dich um die Kinder kümmern, aber du musst es genau so machen wie ich, weil wie ich es mache, ist es richtig." Es gibt also nicht zwei Arten Eltern zu sein, eine mütterliche und eine väterliche, es gibt nur eine "richtige" und die andere ist immer falsch.


Der Geschlechternarzissmus oder auch Sexismus, ist sehr schädlich für Beziehungen, da er oft zu Missverständnissen und Konflikten zwischen den Geschlechtern führt und in einer Abhängigkeit und Manipulation endet. Die starren Vorstellungen darüber, wie Männer und Frauen sein sollten, führen zu Problemen in der Partnerschaft, gerade, wie im Beispiel erwähnt, was die Kindererziehung betrifft.


Beziehungen können auch unter dem Druck der "unterdrückten Männlichkeit oder Weiblichkeit" leiden, worüber R. Bonelli ein Buch geschrieben hat (Frauen brauchen Männer und umgekehrt). Frauen, die ihre Weiblichkeit verdrängen und übertrieben nach Erfolg streben, oder Männer, die übertrieben Angst vor ihrer Männlichkeit haben, ja gar harmlos werden, können in Beziehungen Schwierigkeiten haben, da sie sich selbst nicht akzeptieren und authentisch sein können.



Egoismus - Narzissmus und Perfektionismus - inflating praise

Wie entwickelt sich Narzissmus im Leben eines Menschen? Sigmund Freuds Theorien besagen, dass Babys bei der Geburt sozusagen reine Egoisten sind, die bekanntermassen nach Lust-Maximierung und Unlust-Vermeidung streben. Das ist der primäre Narzissmus. Die Vernunft entwickelt sich erst allmählich. Das Kind ist dann nicht mehr nur mit seinen Bedürfnissen beschäftigt, sondern erkennt langsam ein Du, was die Entwicklung von Beziehungen ermöglicht. Die Bedeutung der Beziehung zwischen einem Kind und seinen Eltern, insbesondere der Mutter-Kind-Beziehung, ist die Grundlage für die Entwicklung des Kindes, auch in Bezug auf beiden Dimensionen Männlichkeit und Weiblichkeit.


Jetzt erst ist der Sekundäre Narzissmus, nach Siegmund Freud, möglich. Dieser ist der Adoleszente bzw. Erwachsenen-Narzissmus, klinisch spricht man von der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Er tritt im Jugendalter zu Tage, dann wenn Teenager beginnen Liebe für sich selbst zu empfinden. Sogar Augustinus hat bereits gesagt, der Hochmut und der Narzissmus, sind so ziemlich dasselbe, ich würde noch mit Perfektionismus ergänzen. Wenn man sich das im Detail durchschaut, kann man erkennen, da wo Hochmut ist, ist eine "in sich selbst Gekröntheit". Jeder Mensch hat normalerweise Sehnsucht zu lieben und geliebt zu werden, aber der Narzisst liebt tatsächlich nur sich selbst. Es gibt falsche Hypothesen, die gesagt haben, in Wirklichkeit mag sich der Narzisst gar nicht. Das ist aber falsch, der Narzisst mag sich selbst wahnsinnig gerne!


Nach Freud kamen viele Freud’sche Schüler, die seine Hypothese falsch gefunden haben und selber Hypothesen in den Raum gestellt haben, dass Narzissmus daher kommt, wenn man das Kind zu hart und zu lieblos erzieht. Ein Psychologe aus Skandinavien sieht das anders. Er forschte danach wie sich die Gesellschaft entwickelt hat und warum Narzissmus in der westlichen Gesellschaft so angestiegen ist. Das erste was er beobachtet hat, ist, dass Eltern ganz eng an ihren Kindern anhaften, fast eine Verschmelzung findet statt. Sie sehen das Kind sozusagen ein Teil von sich selbst. Man sieht diese Wendung besonders bei Schulkonflikten, wenn die Noten oder Leistungen nicht gut sind, dann wird dafür i. d. R. der Lehrer beschuldigt. Weil das eigene Wunderkind, man selbst, kann ja gar nicht schuld sein.


"Inflating praise"

In den 80er-Jahren herrschte ein Trend des übermässigen Lobens vor, was zu einer regelrechten "Lob-Inflation" führte. "Inflating praise" wurde im Deutschen oftmals mit Inflationäres Lob übersetzt. Das stimmt nicht ganz, korrekterweise heisst es "aufgeblasenes, übertriebenes Lob". Aber Inflationäres Lob passt auch sehr gut, weil tatsächlich ist es so, dass es zu einem wahnsinnigen Lob-Inflation, Entwertung des Lobes, kommt bei Eltern, die ständig aus ideologischen Gründen loben. Lob für nichts, ist nichts wert.


Dieses übertriebene Loben kann bei Kindern unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Einige Kinder entwickeln ein übermässiges Selbstwertgefühl, während andere sehr selbstunsicher werden und wie gelähmt sind. Wenn ich Lob für alles kriege bin ich entweder genial oder ich tue besser gar nichts, denn gar nichts ist ja lobenswert. Sobald ich etwas tun würde, gefährde ich mich kein Lob mehr zu bekommen.


Das übermässige Loben kann also Pathologie verursachen, da es zunehmend die Fähigkeit der Kinder beeinflusst, sich selbst realistisch einzuschätzen. Die Studie zeigt auch, dass Eltern, die ihre Kinder übermässig loben, tendenziell die Leistungen ihrer Kinder völlig überschätzen. Diese Überschätzung der Eltern kann dazu führen, dass die Kinder sich ebenfalls überschätzen, was zur Entwicklung von Narzissmus beiträgt, denn der Narzisst überschätzt sich grundlegend. Und viele Narzissten scheitern, weil sie sich eben überschätzen. Einige Narzissten scheitern nicht, überschätzen sich aber trotzdem. Die Leute glauben ihnen einfach, weil sie sehr gut bluffen können. Sie sind so überzeugen, weil sie ja selbst, fälschlicherweise, von ihrer, von Lob aufgeblähten, Grossartigkeit überzeugt sind.


"Demut ist sich selbst so zu sehen, wie es der Wirklichkeit entspricht."

Zitat vom Philosophen Josef Pieper


Wir alle müssen lernen uns richtig einzuschätzen, um gesund zu leben. Dort sollten wir hin. Das muss das Ziel sein von jeder Psychotherapie, Beratung, Coaching, dass wir zur wahrhaftigen Selbsteinschätzung gelangen. Gesunde, realistischer Selbsteinschätzung sollte von Eltern gefördert werden. Die gelingt jedoch nur wenn Eltern und Erzieher sich selbst ebenfalls richtig einschätzen können.


Der Perfektionismus, als eine Form von Selbstzentrierung, fusst auf der gesellschaftlichen Entwicklung, wo Beziehungen und Familien immer unsicherer geworden sind. Der Mensch ist als soziales Wesen stets bestrebt dazugehören zu wollen, sagt die Individualpsychologie, aber auch die Bindungsforschung. In einer Welt, wo aber die Kerngruppe, die Familie, gar nicht mehr darauf basiert, dass die Menschen, die mich gezeugt und gewollt haben, Mama und Papa, als Einheit gelten, sich immer mehr Ehen trennen, ev. neue Partner und Kinder dazukommen und wieder ausgetauscht werden, da entsteht eine riesige Verunsicherung in den Kindern, in den Erwachsenen, in der Gesellschaft. Kinder werden heute einfach gemacht, wenn man will, ob der Vater oder die Sicherheit da ist, ist egal. Ein Kind grosszuziehen wird sozusagen auch nicht als Dienst verstanden, sondern es ist ein Lifestyleprodukt, ein Konsumgut oder eben etwas, dass man nicht konsumieren will. Es ist für mich, so wie der Job für mich sein muss. Und wenn ich es will, dann muss dieses Kind natürlich das schönste, beste und klügste Kind sein und ist selbstverständlich hochbegabt.


Aufgrund dieser wachsenden Unsicherheit, fällt der Mensch auf sich selbst und in die Gefangenschaft der eigenen Leistung zurück. Was ist sicherer als man selbst und die eigene Ausbildung, die eigene Leistung? Ich leiste, also bin ich. Die Leistung und das Streben nach Perfektionismus werden als ein Ausweg betrachtet, um sich in einer unsicheren Welt zu behaupten. Diese kranke Leistungsgesellschaft ist auch, weil sie gerade so auf Lob basierend, Anerkennungs-süchtig machend und immer glänzen-müssend praktiziert wird - eine Entmutigungsgesellschaft. Sie führt zu Angst vor Fehlern und Scheitern, einem Mangel an Mut, an Gemeinschaftsgefühl, WIR-Gefühl, da jeder nach Wegen des Beifalls sucht, um eben individuell zu glänzen, anstatt sich als einen Beitragenden im Dienst an der Gesellschaft zu verstehen. Was sich schon revolutionär anfühlt, während ich es hier aufschreibe.


Auch das Misstrauen zwischen den Geschlechtern und die Tendenz zur Selbstbezogenheit in Beziehungen ist auf diese Gesellschaftsentwicklung zurückzuführen. Viele Menschen, einschliesslich jüngerer Generationen, sind zunehmend auf ihre eigenen Interessen und Vorteile bedacht und haben Schwierigkeiten zu vertrauen, sich zu binden und sich wirklich dem anderen hinzugeben. In den Köpfen verlieren die Menschen mehr und mehr diese Fähigkeit, diese Agape, dieses sich ganz dem anderen zu schenken. Aber nur so funktioniert wirklich Liebe. Vertrauen ist heutzutage für viele Blödheit. Dies hat Auswirkungen auf Beziehungen und Ehen, die aufgrund der tendenziellen Unverbindlichkeit und des mangelnden Gemeinschaftsgefühls gefährdet sind.



Unsere gesellschaftliche Liebesfähigkeit hat gelitten. Es ist kein Geheimnis, dass die heutige Generation, die grösste Sexflaute mit sich bringt. Eros, dieses Anhimmeln, ist als Liebe noch nicht vollkommen. Vollkommen ist die Kombination zwischen Eros und Agape und die ist uns abhanden gekommen.


Es gab eine gesellschaftliche Veränderungen in der Sexualität, die mit den 68ern einherging. Früher war Eros, diese romantische Anziehung zwischen Mann und Frau, ein wichtiger Bestandteil der Sexualität. Wie erotisch war es noch als man sich gesiezt hat? Dieses Verlangen nach dem Du war geprägt von einer Spannung, weil die Geschlechter noch so eindeutig unterscheidbar und so von einer gewissen Distanz geprägt waren. Natürlich brachte das andere Probleme mit sich und es war nicht alles besser, aber in Bezug zur Liebe zwischen Mann und Frau führte es früher zu einem besonderen Reiz oder Hochgefühl.


Mit der sexuellen Revolution der 68er Jahre änderte sich dies. Statt des Fokus auf die Anziehung zwischen zwei Personen geht es heute mehr um individuelle Befriedigung und persönliche Bedürfnisse. Die sexuelle Revolution brachte eine Umkehrung in der Sexualität mit sich, bei der es weniger darum geht, wie man gemeinsam glücklich sein kann, sondern mehr um die Frage, wie man selbst befriedigt werden kann. Da gab es tatsächlich eine "Befreiung" aber auf Kosten der Befriedigung im Miteinander. Dieser Ansatz zeigt sich in verschiedenen Aspekten, vom Konsum-ähnlichem Verhalten auf Dating-Plattformen bis zum Boom von Sexpuppen, die als reine Mittel zur individuellen Befriedigung dienen. In vielen Formen der heutigen Sexualität steht das "Du" nicht mehr im Vordergrund und endet damit der Beziehungsunfähigkeit.


Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Mensch von Natur aus ein soziales Wesen ist und sowohl das "Du" als auch die Selbsttranszendenz benötigt. Selbsttranszendenz bezieht sich auf etwas Höheres oder Sinnvolles, sei es durch Religion oder die Verfolgung von höheren Werten wie das Schöne, das Wahre und das Gute. Dieser höhere Zweck macht Menschen glücklich und stabilisiert Beziehungen.


In Bezug auf Attraktivitätsforschung zeigt sich, dass Männer und Frauen, körperlich, aber auch rein auf Charakterlichen Ebene, oft die Eigenschaften am anderen attraktiv finden, die man selbst nicht hat. Dennoch gibt es auch gemeinsame Werte, insbesondere Religion und Weltanschauung, die auf Herzensebene Beziehungen stabilisieren können und so das Vertrauen fördern, dass wir so dringend brauchen. In diesen Punkten sollte man also nicht zu weit von einander abdriften. Aber dann ist die Vertrauensbasis da, um sich an seiner Unterschiedlichkeit und Ergänzung zu erfreuen. Die Verbindlichkeit in Beziehungen, wie sie nur in der Ehe zu finden ist, im Gegensatz zu oberflächlichen Verbindungen, die nur auf Selbstinteresse basieren, ist die Basis für eine starke Familie, gesunde Kinder, ermutigende Gesellschaft. Ein Mensch, der sich schenkt und hingibt, erfährt Glück, während ein egozentrischer Mensch, der nur auf sich selbst bedacht ist, ins Unglück läuft.



Quelle: Vortrag von Raphael Bonelli, youtube.com, RPP Institut, Perfektionisten und Narzissten in Beziehung und Familie - ich, Ich, ICH!, 16.02.2019, zugriff 03.09.2023, https://youtu.be/aVS5hBGPrw4?si=vEfduYy6_BTkg_Q7



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