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Laster und Sucht 3/3 - Die Verführung überwinden - Sich neu ausrichten

Trost statt Selbstverwöhnung schafft Hoffnung - Laster, das kleine Betäubungsgift für den Alltag überwinden.

Teil 3/3 zum Thema Laster - Ausstieg aus dem Teufelskreis

Laster überwinden - Trost schafft Hoffnung

Inhalt




Hinter jedem Laster oder Sucht, dem Problem mit dem Problem, liegt eine Last, also das eigentliche Hautproblem. „Normale Probleme“, sind oft Disziplinprobleme. Also man hält kein angemessenes Mass; wenn man etwas zu wenig, oder zu viel macht oder konsumiert. Doch bei Sucht kann man es scheinbar einfach nicht zum Angemessenen verändern, so sehr sie es auch wollten.


Warum ist das so? Abgesehen, dass die Hirnchemie und Toleranzentwicklung eine Abkehr von einer Sucht tatsächlich erheblich erschweren, leiden wir bei Laster genau so unter Disziplinlosigkeit.


Die eine Hypothese ist, dass Sie effektiv zu wenig unter dem Laster leiden. Die Schmerzgrenze ist noch nicht so hoch wie der vermeintlich einfachere Gewinn der Süchtelei. Es lohnt sich also scheinbar noch zu sehr für sie. Gerade sehr leidensfähige Menschen müssen in diesem Punkt sehr, sehr viel aufgeben, um endlich eine Veränderung angehen wollen zu können.


Und oder, womöglich, nehmen Sie ihr Leiden einfach nicht ernst genug! Die langfristige Konsequenz ihres Handelns ist ihnen (noch) nicht wirklich bewusst. Selbstachtung und Würde verlieren vollkommen ihre Beachtung und Berechtigung während einer Sucht. Wenn Sie mit Verwöhnung ihre eigentliche Last nicht ernst nehmen, kompensieren sie vermutlich und speisen ihr Hauptproblem mit Pseudoverwöhnung ab! Sie machen Schmerzbetäubung, weichen aus und übergehen das Leid ihrer Seele, weil es ja doch (noch) nicht so schlimm ist. Sie glauben noch immer, dass sie es schon irgendwie kontrollieren könnten. Dann kann ihnen auch (noch) niemand helfen.


Die reine Disziplin ist gegen die Sucht, gegen das Kompensationsstreben, machtlos. Doch anfangs begegnen wir dem Laster gerne mit reiner Disziplin. Wir wollen uns zusammenreissen, "am besten fangen wir am Montag damit an", denken wir sonntags und sind frustriert, wenn es dienstags nicht mehr klappt. Der Motor der Sucht ist der Zwang nicht verzichten zu wollen! Das ist die Trotzreaktion der Seele! Wir Menschen trotzen nun mal. Auch gegen uns selbst.


Die unbarmherzige Disziplin sagt: Du darfst nicht! Die Seele aber sagt: Ich kann aber nicht verzichten wollen! Egal auf was die Seele verzichten müsste, es ist für sie etwas Unerträgliches, etwas das lähmt. Darum braucht die Seele Trost, eine Betäubung in Form von Ersatzbefriedigung durch das Suchtmittel und versagt in der Disziplin. Diese Entmutigung, immer wieder ein Versager sein, vor anderen und sich selbst, ist eine Erfahrung die mehr und mehr entmutigt.


Ein Süchtiger verdrängt i. d. R. ein wichtiger Teil von sich. Wir kompensieren ja soviel von unserem Suchtmittel, weil wir von dem was wir bräuchten zu wenig haben - das schmerzt und das wollen wir nicht wahr haben. Wir können uns aber so lange über diese Not hinweg trösten, bis die Notlösung auch entgleist. Erst dann, wenn Sie sich eingestehen können, dass Sie abhängig geworden sind, vielleicht sogar von ihrem noch so kleinen Laster und Sie es vielleicht doch nicht mehr selber regulieren und das Leid darüber nicht mehr länger ignorieren können, erst dann sind Sie in der Lage überhaupt irgendetwas zu verändern.


Sich selber ernst zu nehmen bedingt den Willen zur Selbstachtung. Ich beachte mich und merke es ist etwas nicht i. O., dass nehme ich ernst. Denn wenn ich merke, dass ich mit meinem Laster eine eigentliche Last kompensiere und das ernst nehme, dann kann ich mich nicht mehr auf diesen Schmerz mit Pseudoverwöhnung weiter trösten wollen. Jetzt brauche und will ich echten Trost, weil der Schmerz ist real. Echter Trost verhilft mir zur Selbstannahme und Selbstvergebung, dass ich akzeptieren kann, dass ich bisweilen gescheitert bin. Trost schafft Hoffnung, schafft Würde. Doch für echten Trost brauche ich eine echte Liebe, die ich vermutlich im Leben nicht habe oder annehmen kann, sonst hätte ich vermutlich mein Problem gar nicht.


Wie zeigt sie sich den nun diese echte Liebe?


Das wird Sie vielleicht erstaunen, aber echte Liebe braucht Leid, ja sie mutet uns sogar Leid zu! 


Denn, Echte liebe kostet uns etwas. Das ist Bedingungslosigkeit. Sie fordert nichts zurück. Liebe ist bedingungslose Lebensbejahung, sie scheut das Leid nicht, dass es uns kostet, um des echten Lebens willen. Echtes Leben erlebt Leid, aber echte Liebe überwindet Leid! Sie kann trösten, weil sie dem Leid nicht widerspricht, sondern es akzeptiert und hindurch tragen kann. Mut und Tapferkeit gibt es nur wenn irgendwo Leid ist, dass es zu überwinden gilt. Echte Liebe ist Hingabe und Opferbereitschaft, sie hält was aus und verschenkt sich selbst.


  • sie ist verletzlich

  • sie kann missbraucht werden

  • sie ist wertunabhängig

  • echte Liebe ist Phantasie und Zeit

  • echte Liebe wird unter Leid und Scheitern nur stärker

  • usw.


In der Bibel lesen wir in 1. Korinther 13, im Kapitel "Das Wichtigste ist die Liebe", ab Vers 4-8:

Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. 5 Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. 6 Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. 7 Liebe nimmt alles auf sich, sie verliert nie den Glauben oder die Hoffnung und hält durch bis zum Ende. 8 Die Liebe wird niemals vergehen.


In Vers 13 wird zum Schluss nochmals betont: Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Von diesen dreien aber ist die Liebe das Grösste.


Heiraten Sie ihren Partner, weil Sie sich ihm schenken wollen. Und nur darum. Das ist echte Liebe. Schenken will nichts zurück, sonst wäre es ein Handel. Wenn Sie z. B. mit ihrem Partner zusammen sind, weil er Sie so glücklich macht, werden Sie ihn auch wieder verlassen wollen, wenn er Sie nicht mehr glücklich machen kann. Natürlich sollte er ihnen gefallen, aber wenn Sie von Anfang an keine Bedingungen an ihn stellen und die Verantwortung für ihr Leben selber übernehmen, auch für ihr persönliches Glück, ist jede Bereicherung ihres Partners ein Geschenk, für das sie dankbar sein können. Jedoch ist es niemals ein unbewusster Handel, der sie kränkt, wenn es mal nicht mehr so ist, wie Sie es von ihm/ihr erwarten bzw. wie man es von einem Ersatzbefriedigungs-Objekt erwartet.


Bedingungslose Liebe

Nun, das was uns zu Laster und Sucht verführt, ist im Letzten das Kompensieren wollen des lebenssättigenden Gefühls angenommen zu sein, dazuzugehören, einen sicheren und bedeutenden Platz in unserem Umfeld zu haben. Irgendwo fehlt das tiefe Wissen, dass man, unabhängig von den Umständen, ein wertvoller Mensch ist und wichtige Beiträge geben kann. Gemeinschaftsgefühl nennt das die Individualpsychologie. Die Basis für ein gesundes Selbstwertgefühl. Diese ganz tiefe Sehnsucht, die wir Menschen im Leben haben, ist das grosse Bedürfnis nach dieser echten, bedingungsloser Liebe. Nur so stillt sich das Bedürfnis nach Sicherheit und Bedeutung durch Halt und Geborgenheit.


Wir definieren unseren Wert gerne über Leistung, Anzahl Freunde, Likes, Job, Karrieresprung und Statussymbole. Wir machen die Erfahrung, dass all diese Dinge eine grosse Wirkung auf unser Umfeld haben und wir dadurch einen von der Welt erstrebenswerten Platz erlangen können. Doch sättigen sie tatsächlich diesen Hunger in uns? Unser Leben soll sicher sein und eine Relevanz haben. Wenn wir unsere Annahme oder Relevanz aber von diesen oben genannten Idealen abhängig machen, werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit verführbar sein, unweigerlich scheitern und immer wieder in diesem endlosen Teufelskreis aus kämpfen und flüchten, trösten, abhängig und unfrei bleiben. Erst wenn wir verstehen, dass uns bedingungslose Liebe zugänglich ist und wir unsere Annahme nicht mehr verdienen müssen, brauchen wir kein kämpfen und flüchten mehr. Erst dann werden wir frei!


Was ich euch schenke, ist mein Frieden. Ich gebe euch einen Frieden, wie die Wellt ihn nicht geben kann. Johannes 14, 27


Bedingungslose Liebe werden wir in dieser Welt kaum finden. Keine Mutter, kein Vater ist perfekt, die wenigsten Mensches können vollkommen selbstlos lieben. Doch bei Gott können wir diese übermenschliche Annahme finden. Jesus hat den Zugang zu Gott möglich gemacht. Diese echte Liebe zu uns hat Gott Vater alles gekostet und das grösste Leid abverlangt:


"Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben." Johannes 3,16


Vielleicht hört sich das für dich jetzt sehr komisch an. Wieso musste sich jemand opfern, dass man zu Gott kommen kann? Warum hat der allmächtige Gott das nicht anders geregelt, wenn er doch allmächtig ist? Das sind Fragen die den Rahmen dieses Themas sprengen würden. Gott, Jesus Christus, gibt aber Antworten darauf, die Sie finden werden, wenn Sie sich dafür interessieren und ihn darum bitten.


"Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan." Matthäus 7,7


Was ich sagen möchte ist, egal was wir in diesem Leben mitbringen, vor ihm, Gott Vater, sind wir alle gleich. Jesus hat mit seinem Tod am Kreuz all unsere Verfehlungen, all unser Scheitern, alle Laster und Süchte auf sich genommen und für uns bezahlt. Wir können nichts tun, was Gott enttäuschen oder beeindrucken könnte, weil er uns durch und durch kennt und liebt. Er kennt all unsere Kränkungen, er weiss was jedem von uns angetan wurde und fühlt mit unseren Schmerzen mit. All das was Sie vielleicht an Unglück erlebt haben, ist womöglich das Ergebnis eines Lebens ohne Gottes Liebe, weil sie ihn noch nicht angenommen haben.


Jesus hat für jeden eine Berufung, ein Weg der unsere Bedürfnisse nach Sicherheit und Bedeutung stillt. Wir müssen uns nicht durch anstrengende Selbstverwirklichung selber erlösen. Gehen Sie den Weg der Demut und Transzendenz. Wir sind seine Kinder! Wir sind von ihm angenommen mit allem. Mit allem! Nichts ist ihm zu wider! Für ihn ist es nicht verwerflich, wenn wir scheitern. Es ist ok, das wir nicht Miss oder Mister Universum sind. Er liebt jeden von uns und hilft uns wieder auf die Füsse, wenn wir fallen. So wie Sie ihr Kind lieben würden, trotz seiner Fehler. Einfach weil es ihr Kind ist. Das definiert seinen Wert. Es gehört zu ihnen. Sie können zu Gott gehören, wenn Sie wollen. Also nehmen auch Sie sich an und werten Sie nicht ab, sondern werden Sie aufrichtig vor ihm und damit vor sich selbst!


Also wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin, ich mag meinen Job wirklich nicht. Eigentlich macht er mich unglücklich, ich bin nur noch gestresst. Am Wochenende will ich denn Stress der Woche einfach nur vergessen! Ja ich verdiene sehr viel Geld und ich könnte mir die Wochenend-Sauf-Partys dann nicht mehr leisten. Aber vielleicht bräuchte ich sie ja dann gar nicht mehr, wenn ich einen Job habe, der mich wirklich glücklich macht! Vielleicht ist mein gesellschaftliches Prestige den Stress nicht wert, wenn ich weiss, dass ich gar kein Prestige brauche.


Sie dürfen frei sein in diesem Moment und Sie dürfen sich als vollwertigen Menschen fühlen. Auch wenn Sie noch nicht das Leben leben, dass Sie gerne hätten. Na und? Es gibt immer was zu optimieren, so sind wir Menschen! Es steht ihnen trotzdem zu, sich jetzt schon geliebt und zufrieden zu fühlen. Nehmen Sie Jesus noch heute als ihren Herrn an und sprechen sie ein Übergabegebet* (siehe unten). Sie haben wirklich nichts zu verlieren.


Für jede Veränderung an ihnen, ist die Selbstakzeptanz Voraussetzung. Wir hören auf an einer Situation zu leiden, wenn wir anfangen diese zu akzeptieren. Wir müssen nicht in Minderwert fallen, wenn wir uns eigestehen das wir gescheitert sind. Liebe und Trost sind uns bei unserem himmlischen Vater gewiss. Er schenkt uns Würde, wenn wir glauben, keine mehr zu haben. Was bisher in ihrem Leben passiert ist, lässt sich nicht mehr ändern. Sie akzeptieren, dass Sie abhängig geworden sind oder vielleicht einen Rückfall hatten. Mit der Akzeptanz passiert der Ausstieg aus dem Teufelskreis.


Wenn Sie es nicht akzeptieren, zerfleischen sie sich immer wieder aufs Neue mit Selbstvorwürfen, Schuld, Scham, Wut, Machtlosigkeit und Depression folgen und der Teufelskreis beginnt von vorne. Also anerkennen Sie, dass sie schwach geworden sind! Ich meine damit nicht, dass sie wie bis anhin kapitulieren und ihr Laster tolerieren. Aber nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie ein schädliches Verhaltensmuster entwickelt haben. Sie haben einen Hang zur Flasche am Abend, ok, Sie brauchen die Schokolade, ok, Sie sind ein PC-Junkie, ok. Ohne Wertung. Das ist bloss der Fakt. Erkennen Sie es nüchtern an, ohne Drama. Ihre Seele will gehört und ernst genommen werden. Verachten Sie sie nicht auch noch dafür.


*Persönliches Übergabegebet, wenn ich mein Leben in die Hände des Herrn Jesus legen will:

"Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen."  Johannes 6,37


  • Herr Jesus Christus, im Glauben komme ich jetzt zu dir. Ich danke dir, dass du mich kennst und liebst. Danke, dass du mir ewiges Leben schenken möchtest.

  • Ich glaube, dass du auch für meine Schuld am Kreuz gestorben bist und dass du auferstanden bist und lebst.

  • Bisher habe ich mein Leben selbst bestimmt. Ich habe gegen dich und gegen Menschen gesündigt. Bitte vergib mir alle meine Schuld.

  • Ich gebe dir mein Leben mit Leib, Seele und Geist, meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft. Ich will dir gehören.

  • Komm du in mein Leben und schenke mir den Heiligen Geist. Mach mich zu einem Kind Gottes. Übernimm du die Herrschaft in meinem Leben. Führe und verändere mich so, wie du mich haben willst.

  • Ich danke dir, mein Herr und mein Gott. Amen



Laster überwinden - Ausbruch aus dem Teufelskreis

Klar, das Eingeständnis der eigenen Sucht ist der erste Schritt zur Veränderung. Ich möchte Sie aber dazu auf etwas hinweisen, was mir auch immer wieder in diversen Suchtkliniken aufgefallen ist. Wenn das Laster so ein grosser Teil des Lebens eingenommen hat, kann die Erkenntnis "ich bin süchtig", auch zu einer Ausrede werden. "Ich bin halt ein Süchtiger" oder "er ist halt ein Süchtiger" - und kann nicht (mehr) anders. Verständlich so weit, irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo das Hirn umstellt und man alleine nicht mehr so einfach widerstehen kann.


Aber! Ein "Süchtiger zu sein", ist niemals eine Identität oder eine festgefahrene Tatsache! Wenn Sie mit diesem Denken die Sucht oder Laster loswerden wollen, würden Sie ja als "Süchtiger" ein Stück Identität verlieren. Sie verlieren den vermeintlichen Gewinn der Sucht, ihre ganz individuelle Lebensausrede. Ganz ehrlich, jede Sucht hat ein Gewinn, dass sage ich als ehemalige Suchterkrankte. Es ist wichtig, sich das einzugestehen, sonst hätte man die Sucht ja nicht. Trennen Sie sich identitätsmässig von der Sucht. Sie sind nicht dazu verdammt ihr Laster leben zu müssen! Die Sucht oder das Laster macht Sie als Person nicht aus. Ein Süchtiger verhält sich „süchtig“. Er tat das, zumindest bei Beginn, sogar total freiwillig! Er schadete sich damit, mit seinem Verhalten, freiwillig weiter. Er verbot seiner Seele sich authentisch zu äussern, natürlich aus individuellen Gründen, aber halt freiwillig. Er verweigert ihr Mündigkeit weiterhin, freiwillig. Er nimmt sie weiterhin nicht genügend ernst! Freiwillig bezahlt er dafür aktuell den Preis der Sucht.


Warum möchte ich das so betonen?


Dieses allg. generelle Suchtverständnis, ein Süchtiger ist einer, der sich nicht mehr kontrollieren kann, nimmt dem Suchterkrankten, die Verantwortung für sein Handeln und damit die Chance auf Selbstbestimmung. Es entmündigt ihn zu einem grossen Teil. Er selbst hat die Entscheidung getroffen, den grossen Schmerz seiner Seele mit der Sucht zu kompensieren und das tat er nicht nur am Anfang, sondern die ganze Zeit immer wieder!


Es sagt damit auch auch: Erst nach Suchtbefreiung ist er wieder ein kontrollfähiger Mensch. Der Alkoholiker ist halt seiner Sucht ausgeliefert, er kann nichts dafür, dass er trinken muss. Ich kann nichts dafür, dass ich so viel essen muss, die Fresssucht ist schuld. Schwere Abhängigkeit, bedeutet nicht unmögliche Umkehr oder Heilung. Ich sage es bewusst überspitzt: Jede Sucht ist auch eine Ausrede für die eigene Seele!


Der Süchtige ist nur bedingt gefesselt an sein Suchtmittel. Die Unfreiheit kommt von uns selbst. Wir haben uns darauf eingelassen, als wir zu der Verführung ja gesagt haben. Irgendwann, bewusst oder unbewusst, für unser Laster entschieden. Wir sagen mit unserem Handeln: Ich will einfach nicht anders! Und die Seele ist zurecht gekränkt. Der Drang, das Craving, ist auf jeden Fall biologisch erklärbar, aber für unsere Seele ist es eine Ausrede (wohlgemerkt, ich spreche nicht von harten Drogen). Denn wir können uns sehr gut willentlich über unseren Körper hinweg setzten. Klar, wenn ich es nicht tue, bin ich auf Entzug und leide extrem an Entzugserscheinungen. Niemand zwingt mich süchtig zu handeln! Doch wenn das nicht war wäre, würde niemand eine Sucht überwinden können.


Die Seelische Heilung beginnt mit einer Selbstannahme, dem ehrlichen, wohlwollenden Blick in den Spiegel. Ich muss aufhören mich selber zu belügen. Ich muss wieder Selbstachtung und Verantwortung für mein Handeln übernehmen wollen. Jede Entscheidung, die wir fällen, bewusst oder unbewusst, bedeutet: Ich antworte so auf das Leben, ich verantworte und übernehme dafür die Konsequenz des Lebens, ob ich will oder nicht.


2.1. Raus aus dem Schwarz-Weiss-Denken

Wenn Sie ihr Laster „verstecken“ wollen, vor sich und anderen, kommt i. d. Regel direkt die Scham. Die Scham oder das Schuldgefühl ist das Gefühlsproblem mit dem Laster-Problem. Das berühmte Schwarz-Weiss-Denken steckt meist dahinter. Es ist leider weit verbreitet und lässt keine Zwischentöne zu. So gibt es nur Kontrolle oder Versagen, nur gewinnen oder verlieren, gut oder schlecht. Doch das Leben ist nicht so. An solch ein Denkmuster sind auch unsere Gefühle gekoppelt und die können dann ziemlich schnell in tiefste Entmutigung fallen, was wiederum kompensiert werden will - ein Teufelskreis.


Individualpsychologisch kommt Scham, wenn wir glauben, dass wir an Würde verlieren, wenn wir z. B. versagen. Schuldgefühle kommen, wenn wir uns nicht nach unserem Gewissen gemäss verhalten und entscheiden. Interessanterweise tun wir es ja trotzdem, also eigentlich wollen wir uns nicht gewissenhaft verhalten, dafür kommt stellvertretend das schlechte Gewissen. Es ermahnt uns daran, was wir glauben, was wir tun sollten, aber es halt nicht wollen. Das Gewissen hilft uns, nach dem Gemeinschaftsgefühl, einen Platz in der Gesellschaft zu erhalten. Es erinnert uns an die Spielregeln, die es für das Zusammenleben braucht, so wie wir es von klein auf gelernt haben. Diese Spielregeln sind natürlich nicht bei allen gleich, weil wir individuell anders aufgewachsen und geprägt worden sind. Natürlich gibt es auch Werte, die wir erst als Erwachsene neu dazugewonnen haben und danach leben wollen, dann können wir auch mit schlechtem Gewissen reagieren, wenn wir diese nicht umsetzen.


So kommt es, dass der eine bei Dingen ein schlechtes Gewissen bekommt, wo hingegen ein anderer scheinbar "gewissenlos" handeln kann. Bei Scham kommen wir zu der Feststellung, dass wir so ausserhalb unseres Gewissensnorm sind (Minderwert), dass wir in der Gemeinschaft nicht mehr akzeptabel wären, wir verlieren unseren Platz, unsere Sicherheit und Bedeutung und damit unsere Würde.


Doch machen Sie sich bewusst, Sie haben sich lediglich eine Verfehlung geleistet, das ändert nichts an ihrem Wert als Mensch. „Irren ist menschlich“, hinfallen ist menschlich, Fehler machen ist menschlich, schwach sein ist menschlich. Doch es ist auch menschlich, dass es nicht dabei bleibt. Wir stehen auch wieder auf, wir lernen aus Fehlern und Erfahrungen, wir können stark sein, auch das ist menschlich und wir haben trotz all dem einen Platz in der Gesellschaft, Sicherheit und Bedeutung verdient. Das macht unsere Würde aus.

Im Glaubensleben spricht man von Sünde, Busse tun und Umkehr. Sünde ist nichts anderes als eine Zielverfehlung und Busse tun heisst, ich erkenne und bekenne die Zielverfehlung, die Sünde, vor Gott und mir selbst. Die Umkehr meint, ich will ab nun mein Fehlverhalten nicht mehr wiederholen, ich will mich und meine Gesinnung ändern.


Als Suchterkrankter oder unter Laster Leidender, dürfen wir das auch wollen. Gott will Sie nicht anklagen, damit Sie völlig entwürdigt gefälligst um Verzeihung ihrer Sünden bitten müssen. Das ist Quatsch, er will Sie nicht demütigen und verurteilen! Vielmehr will er ihnen helfen das richtige, das gute, das schöne, das wahre Ziel für sich zu finden! Wenn Sie vor ihn treten und ihm von ihren Schwächen erzählen, kann und will er ihnen natürlich helfen, er liebt Sie ja! Es ist nicht so, dass er von ihren Sünden nicht weiss, aber es ist ihm wichtig, dass Sie den Schritt auf ihn zumachen. Ihre Entscheidung ist ihm wichtig und diese respektiert er. So habe ich ihn kennengelernt.


Solange Sie alleine mit sich kämpfen wollen, nimmt er das zur Kenntnis, auch wenn ihn das bestimmt traurig macht und schmerzt. Aber er traut ihnen ganz sicher Mündigkeit zu! Selbst in der Sucht, nimmt er sie für voll und handlungsfähig wahr, auch wenn Sie sich niemals so fühlen. Deshalb verurteilen auch Sie sich nicht und üben Sie sich in Selbstannahme.


Selbstannahme sagt:

  • Ich bin ok, auch wenn etwas an mir nicht in ok ist, es ändert nichts an meinem Wert als Mensch

  • Durch meine Entscheidungen, bin ich so geworden, wie ich geworden bin und das ist ok so, ansonsten kann ich an mir arbeiten und mich verändern

  • Ich darf die Mängel oder Versäumnisse meiner Erziehung erkennen, verzeihen und vergeben

  • Verletzungen und Stärken gehören zu mir! Es gibt keinen Menschen ohne Verletzungen und Stärken


Ich denke Jesus würde sinngemäss sagen: „Ich will dich nicht verurteilen, sondern ermutigen! Du kannst deine Lebensart ändern! Sei aufrecht und schütze deine Würde. Wie würdest du denn gerne leben? Was bist du dir wert? Du bist von mir bedingungslos angenommen! Ich schenke dir vorbehaltlose Gemeinschaft und uneingeschränkte Wertschätzung. Eine Liebe und ein Frieden, die es auf der Welt nicht gibt.„


Ich denke, erst diese bedingungslose Annahme ermöglicht die Kraft zur Lebensveränderung. Ich weiss noch, dass ich sehr damit zu kämpfen hatte, diesen Punkt für mich zu ändern. Es war für mich wahnsinnig schwierig vorzustellen, dass ich ohne Gegenleistung von mir angenommen werde. Ich muss mir meine Würde doch verdienen. Doch das ist der Versuch der Selbsterlösung. Gott ist anders. Er ist barmherzig, fürsorglich und zuverlässig, ohne dass wir etwas dafür an Vorleistung tun müssten. Das ist wirklich schwer zu glauben, weil die Welt so anders ist. Wir leben ja in einer Leistungsgesellschaft und überall riechen wir einen Hacken, wenn es zu schön erscheint.


Oftmals dominiert auch eine gewisse Angst im Gottesbild. Der kann es doch gar nicht so gut mit mir meinen, das glaube ich nicht! Doch das ist das Evangelium! Jesus ist am Kreuz gestorben, damit all unsere Sünden (Zielverfehlungen), die vergangenen, aktuellen und zukünftigen, vor Gott weggewaschen sind. Gott ist so heilig, dass in seiner Gegenwart keine Sünde, Unmoral oder Unethik ist bzw. sein kann. Und weil wir Menschen halt von uns aus unheilig sind und Fehler machen, hat Gott seinen Sohn Jesus geschickt, der den Bruch, den Sündenfall, von Adam und Eva wieder aufgehoben hat.


Die ganze Heilsgeschichte der Bibel würde jetzt den Rahmen sprengen. Doch das ist damit gemeint, wenn man vom Evangelium sagt, wir sind schuldig vor Gott, doch Jesus hat alle Schuld auf sich genommen und ist für unsere Sünden gestorben. D. h. wir können immer und zu jederzeit zu Gott kommen, ohne uns „heilig duschen“ zu müssen. Jesus hat alle Schuld von uns bereits bezahlt. Gott kann wieder mit uns zusammen sein, ohne dass wir Menschen z. B. noch Tieropfer machen müssen, um vor ihm heilig genug zu sein. Also der Zugang zu ihm ist frei gerade jetzt und heute.


Bei Gott dürfen wir, müssen aber nicht. Es gibt einige Beispiele für diese Liebe Gottes in der Bibel. Die Bibel ist voll von gescheiterten Menschen. Z. B. im Johannes 8, die Geschichte mit Jesus und den Pharisäer, die die Frau steinigen wollten, der verlorene Sohn, oder wie Jesus mit Zöllner und Sünder umgeht, beschrieben in den Evangelien.


Jesus liebt Sie und interessiert sich wirklich für Sie! Ja, er wartet sogar bis wir immer wieder so weit sind ihm die Tür zu öffnen. Immer, zu jeder Zeit.


"Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir! Habe keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark, ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich!"

Jesaja 41:10


Wähle das relativ Bessere

Wir sollten aufhören Pseudobefriedigung mit uns zu betreiben. Das hat mit Genuss nichts zu tun.


Als Christen wollen wir absolut gehorsam sein gegenüber Gott. Und als Menschen wollen wir i. d. R. den Ansprüchen der Gesellschaft genügen. Werden wir diesen nicht gerecht, denken wir je nach Gewissen, wir machen uns unwürdig, hätten keine Disziplin und machen uns Selbstvorwürfe. Doch nicht die fehlende Disziplin ist das Problem, der Idealismus ist es! Das was uns Menschen ausmacht ist, dass wir nicht vollkommen sind, aber danach streben. Wir sündigen von Natur aus und Gott weiss das. Wissen Sie das auch? Das ist keine Entschuldigung, sondern einfach ein Fakt. Unserer Perfektion im Mensch-sein, ist es, nicht perfekt zu sein. Haben wir Frieden damit, können wir auch unsere unperfekte Disziplin annehmen. Durch Gnade wird Disziplin für uns erst lebbar!


Gott sagt uns z. B. mit den 10 Geboten und den vielen weitere Regelungen in den Mose-Bücher, wie sich das Volk damals verhalten sollte, um vor Gott gerecht zu sein. Doch alle Gebote einzuhalten, die Gott vorgab, war unmöglich für einen Menschen! Gott wollte den Menschen nicht beschämen. Er wollte u. a. wohl zeigen, dass sie auf seine Gnade angewiesen sind, um vor ihm zu bestehen. Sie sollen sich nicht selbst überschätzen. Gott ist ein Gott! Wir Menschen vergessen manchmal was ein Gott ist. Er kniet sich einfach auf unsere Grösse hinunter, damit wir ihn überhaupt fassen können. Nur Gott ist perfekt, nur Jesus ist das Ideal. Deshalb, denke ich, ist es doch für Gott vollkommen akzeptabel wenn wir wir scheitern, aber bestrebt sind uns nochmals neu und aufrichtig für das Gute, Schöne und Wahre zu entscheiden. Bei Gott können wir immer wieder neu anfangen und dranbleiben.


Z. B. ist eine häufige Ersatzbefriedigung Selbstbefriedigung z. B. bei sexueller Not. Selbstbefriedigung ist ein Kompromiss, das relativ Bessere, weil dass andere nicht verfügbar ist und Sexualität zwar kein überlebensnotwendiges, aber ein reales Lust-Bedürfnis von uns Menschen ist. Alles was unsere Lust befriedigt, was wir mit Lust tun ohne es wirklich zu brauchen, oder einfach für uns selbst tun, ist im Grunde Selbstbefriedigung. Wir befriedigen uns selbst ein Lustbedürfnis. Auch zu viel essen, ein üppiges Dessert, Duftkerzen anzünden, das Auto nehmen, statt das Fahrrad, etc., das sind alles Dinge, die unter diese Definition der Selbstbefriedigung fallen würden.


Doch ist das alles auch Pseudobefriedigung? Ich denke, es kommt auf unsere Haltung und das Mass an. Uns selber etwas Gutes tun und zu unserem eigen Glück beizutragen ist gesund. Aber wir sollten nicht tatsächlich ein Ideal, ein absolut Gutes von uns oder anderen verlangen wollen. Wenn wir das Absolute von uns verlangen, dann scheitern wir längerfristig zu 99.9 Prozent. Wir können das Ideal natürlich im gesunden Mass anstreben, wenn wir uns eine demütige Haltung bewahren. Einfacher oder barmherziger ist es, wenn wir versuchen, gerade anfangs, ein relativ Besseres einem relativ Schlechteren vorzuziehen. Wählen Sie erst Mal das geringere Übel. Bleiben Sie im realistischen Rahmen ihrer ganz persönlichen Möglichkeiten. Wir brauchen Gnade und Barmherzigkeit. Wir müssen nicht Selbsterlöser sein. Wir sind nicht Jesus, wir sind nicht Gott. Doch wir erkennen sehr wohl, wenn wir es übertreiben. Dann dürfen wir zu Gott gehen, uns von ihm trösten lassen und uns reflektieren.


Für mich sind Laster wie Unkraut! Man kann die Versuchungen an sich nicht völlig ausrotten. Man kann nicht verhindern, dass kleine Samen davon immer wieder in den eigenen Garten wehen. Aber man kann es immer wieder eindämmen und ausreissen wenn sie keimen. Du kannst etwas für eine bestimmte Zeit radikal entwurzeln, deinen Garten komplett umgraben und neu gestalten. Aber etwas für immer komplett los zu werden, entspricht einem Ideal, meist nicht der Realität. Versuchungen sind real für uns Menschen, wir müssen immer wieder neu widerstehen. Vielleicht enttarnen Sie ihr ganz persönliches Hauptproblem, ihre Last und können es angehen, doch erwarten Sie nicht von sich, dass ihr Laster auf einmal von alleine für ewig verschwinden wird. Es wird kleiner werden, das ist ein Prozess. Aber einer der erfolgreich bleiben kann.


Bei mir hat der Drang einfach nach und nach nachgelassen, je mehr ich in Gottes Würde kam. Man verhält sich nicht mehr süchtig, man verhält sich abstinent; „trocken“ von der Sucht. Doch man wird wohl immer „verführbar bleiben“, wenn auch nur ganz schwach. Die Lust sehr viel zu essen und dann zu erbrechen überkommt mich immer wieder Mal. Aber heute kann ich entscheiden, gebe ich dem Gefühl, der Lust, der Versuchung, nach oder nicht. Und ich bin mir bewusst, gehe ich den Weg nur ein einziges Mal wieder, wird der Drang wieder stärker werden.


Ganz ehrlich, nichts kann an dieses Gefühl herankommen, wie wir es in der Sucht oder dem Laster empfinden. Rein gar nichts! Akzeptieren Sie das, es ist keine Schande. Wir brauchen dieses High-Gefühl, aber auch nicht mehr, wenn wir uns um die eigentliche Last gekümmert haben! Akzeptieren Sie das bitte auch. Darum entscheiden Sie sich im Prozess der Veränderung, vielleicht einfach für das relativ Bessere, das was im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt. Dann rauchen Sie halt vielleicht zuerst nur noch die halbe Packung, oder jeden Tag eine weniger. Suchen Sie für Sich einen akzeptablen Kompromiss, wo Disziplin für Sie lebbar wird. Das kann sich immer noch irgendwann bis zur Abstinenz steigern. Spielen Sie sich nichts vor und fertigen Sie sich nicht mit Karotten ab, wenn Sie Schokolade wollen! Dann lieber bewusst ein Stück Kuchen, als frustriert auf Karotten kauen und dann in der Nacht den Kühlschrank überfallen.


Ja, es ist mühsam und aufwendig, sich selbst angemessen zufrieden zu stellen, nicht in Schwarz-Weiss zu denken, im Ideal und Versagen leben zu wollen, aber bitte seien Sie sich das wert! Sie sind eben kein Über-Mensch. Das ist weit realistischer als das, was sie bis anhin vermutlich gelebt haben bzw. wollten. Diese neue Haltung der Demut, ist anfangs ein anstrengendes Lebenstraining. Es verhindert aber Lebensfrust, Verbitterung, Neid und Groll! Wollen Sie mal alt sein und über alles schimpfen und wettern, weil Sie mit sich so unzufrieden sind und nie ihr ach so tolles Ideal gelebt haben? Wohl kaum. Dann investieren sie die neue Zeit und Energie in die Demut, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu bleiben. Das ist Selbstannahme und Selbsterkundung.


Ich selbst kam auch nicht um dieses neue Lebenstraining drum herum. Es war wirklich so schwierig nach 8 Jahren Bulimie ehrlich zu mir zu sein und auch Verantwortung tragen zu wollen. Ich musste wirklich verstehen, dass ich mich auch in anderen Bereichen des Lebens "überfressen" wollte, dass z. B. die neue Handtasche, die ich mir eigentlich nicht leisten konnte, mich jetzt nicht wirklich glücklicher macht, so lächerlich das klingt! Das hiess auch, dass ich Freunden absagen musste, weil ich am Freitagabend wirklich zu müde war und nicht Zeit für einen Essanfall verwenden wollte, als Trost für's „über die eigene Grenze gehen“. Manchmal hatte ich dann trotzdem einen Anfall, aus Gewohnheit. Aber das „Ehrlich-sein-können“ und dazu stehen, dass ich erst Mal „uncool“ bin und freitags nicht noch Party machen kann, wenn ich seit 5:30 Uhr auf den Beinen bin, so was hat meiner Heilung geholfen. Denn Bulimie ist wirklich uncool. Ich musste meine eigentliche Lebens-Last ernst nehmen und meine Energiegrenze und Introversion bejahen.


Ich musste auch beruflich reduzieren, weil ich mehr Zeit für mich brauchte und wollte. Ich wusste, dass kein Geld der Welt dagegen ankam, 5 von 7 Tagen in der Woche à 8.5 h bei der Arbeit zu verbringen. So viel konnte mir meinen Beruf nicht zurückgeben und das Geld auch nicht! Ja, blöd, aber dann liegt keine grössere Wohnung drin, auch vorerst kein eigenes Auto oder viele Markenklamotten.


Alles hat einen Preis und Gewinn, doch welche Entscheidung macht ihr Leben wirklich lebenswert? Ich weiss, das obere Bsp. ist vielleicht ein Erst-Welt-Problem, aber Sie sollten es nicht belächeln. Überlegen Sie ehrlich was ihnen z. B. das geleaste Auto bringt? Liegt es ihnen wirklich am Herzen, dann tragen Sie die Verantwortung dafür und wägen Sie ab. Dann wohnen Sie vielleicht sehr günstig und gehen nicht so oft in die Ferien und das ist ok. Dann ist es doch egal was andere denken. Es ist ihr Leben und wenn ein Auto Sie wirklich glücklich macht, weil Sie angefressen sind, ist das vermutlich sogar für Gott i. O., denn er kennt ihr Herz. Er kennt unsere Passion und weiss was uns wirklich Freude macht. Im Herzen sind wir alle Kinder, dass darf auch unser erwachsenes Bewusstsein verstehen.


Aber wenn wir uns ehrlich eingestehen wollen, dass das Auto vielleicht nur einem Predige dienen soll und wir eigentlich zu viel auf anderes verzichten müssen, sollten wir es ändern. Lernen Sie sich liebevoll selber kennen und üben Sie sich im „Selbst-Erziehen“ es lohnt sich! Geben Sie sich nicht auf!


Auf dem Weg zur Abstinenz oder richtigem Mass werden wir vor allem darum anfangs noch schwach sein, wenn wir uns für das relativ Bessere entscheiden wollen. Es ist ok nach einem Schwach-werden und Scheitern quasi Sünde zu bekennen, Busse tun und versuchen umzukehren. Immer wieder. Bis wir es vielleicht tatsächlich nicht mehr müssen, weil wir es jetzt können. Gott kennt unsere Schwächen, sie überraschen ihn nicht. Er ist darauf vorbereitet, sind Sie es auch?



Laster überwinden - Mass halten, ein Balanceakt

3. Mass halten - Laster überwinden

Wäääh, wie langweilig - Mass halten! Für mich, die an Bulimie litt, war in der Esssucht der Verlust der Kontrolle, einfach alles zu essen was ich wollte, der absolute Kick! Mass halten, war ja genau das was ich mir krampfhaft vornahm und nicht erreichen konnte! Kontrolliertes Essen oder Nicht-Essen war mein Ideal. Ich verachtete die Magersüchtigen, die das in meinen Augen konnten. Aber eigentlich konnten sie das ja auch nicht. Sie wählten die Abstinenz, die Verweigerung, nicht das gesunde Mass halten. Nicht bei jeder Sucht kann man sich einfach abstinent verhalten und das Suchtobjekt komplett meiden. Eine Sexualität hat man (Sexsucht), eine Arbeit brauchen wir (Arbeitssucht), essen muss jeder. Ich muss meine "Droge" dosieren, dachte ich, wie zynisch!


Unter Mass halten wird aber eher, das Massvolle, der Genuss, verstanden. Die Mässigung erzeugt eine Steigerung der Qualität mit der Verminderung der Quantität. Also weniger ist mehr. Doch wo ist den diese Grenze zwischen Freiheit und Sucht; dem relativ Besseren vom relativ Schlechteren?


Im 1. Kor. 6,12 schreibt Paulus: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.

1. Kor. 10,23: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles baut auf.

Paulus schrieb einen Brief an die Korinther, aus dem diese Zeilen stammen. Das waren Leute, die das Evangelium kannten, also wussten, wenn Sie Jesus als ihren Herrn annehmen, dann sind sie von Gott angenommen. Das ist die Freiheit, die Gott uns schenkt! Wir können wählen und auch bei Verfehlungen nie tiefer fallen als in Gottes Hände.


Das haben die Korinther auch getan, doch diese Freiheit nutzten sie als Freifahrtschein um alle möglichen Sünden zu begehen, die man so kennt. Ihre Freiheit zeigte sich in Egoismus und nicht in Nächstenliebe. Das war und ist theoretisch kein Problem, Jesus wäscht alles weg mit seinem Blut. Doch bedenke, Gott kennt unsere Beweggründe, unser Herz. Und wenn Sie eine Beziehung mit Gott eingehen, dann wollen Sie eigentlich nicht weiter sündigen. Doch der Mensch darf in der Beziehung zu Gott lernen, dass er nicht mehr den Druck von Gottes Zorn haben muss um auf einem gesunden Weg zu bleiben. Er darf es aus der Liebe heraus wollen und aus der Beachtung von Gott Selbstachtung lernen.


So auch wollte Paulus den Korinther mitteilen, ja, alles ist euch erlaubt, aber nicht alles baut auf, nicht alles was ihr tut ist konstruktiv.


Also ab wann ist es denn nicht mehr konstruktiv? Ab wann ist Genuss Sünde? Das ist oft eine Frage des Masses. Wie bereits erwähnt, die Menge macht das Gift. Warum ist Gott denn so sehr dagegen? Gönnt er uns kein Genuss? Nein, er weiss, der Verlust von Mass, der Freifahrtschein für Lust, uns Menschen in die Gefangenschaft der Sucht und Laster führt, ins "ich will nicht aufhören, ich will alles". Das wiederum ist oft Verlust von Zeit, da dieses alles ja nie genug ist. Das wiederum erzeugt Stress und endet im Verlust von Energie. Das baut unser Leben nicht auf, sondern ab.


Mässigung ist Vernunft und Besonnenheit. Im Christlichen sagt man auch Zucht oder Keuschheit. Was furchtbar altbacken klingt meint eigentlich das gleiche wie Disziplin oder Selbstbeherrschung. Es ist diese nüchterne, realistische Wahrnehmung der eigenen Möglichkeiten, Konsequenzen und Grenzen. Achtsamkeit kann helfen diese zu erkennen.


Das Gegenteil von Mässigung ist Zügellosigkeit, überheblich sein, Wahnsinn, Manie und Stumpfsinn. Das sind Aspekte, wo wir die Verbindung zu uns verlieren.

  • im Stumpfsinn spüren wir uns nicht mehr

  • im Wahnsinn und der Manie ist die Realität für uns verblendet

  • genau so im Überheblichen verliert man den Bezug zu seinem Sein

  • in der Zügellosigkeit erkennen wir unsere Grenzen nicht mehr


Mässigung bedeutet auch nicht, dass ich Zuviel zurückstecken muss. Das wäre übereifrig. Diese unbarmherzige Form von Disziplin, Strenge, Härte, die wir manchmal von uns verlangen, ist ein Übermass an Forderung, was zur Mutlosigkeit führt. Dies zeigt sich dann wiederum meist in Faulheit und Trägheit. Wo wir zu viel Strenge von uns verlangt haben, kompensieren wir ja gerne mit selbstverwöhnender, tröstender Bequemlichkeit.


Wir machen dann alles, nur nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Die Mutlosigkeit ist unbewusst. Unsere Seele weiss insgeheim, sie kann den Forderungen nicht genügen und resigniert. Dadurch ist der Wille zu dauerhaften Veränderung gar nicht da! Ich kann nicht, sagt die Seele aus Angst vor dem Versagen und der vernichtenden Selbstverurteilung und so wir flüchten wir uns äusserlich in Zeitvertreib. Dann schauen wir lieber TV, statt für die Prüfung zu lernen, obwohl wir ganz genau wissen, wie unsere Eltern und Lehrer, das Leben selbst, uns dafür strafen werden. Und alle wundern sich, sogar wir, dass wir uns so verhalten. Wir, unsere Seele, bräuchte Verständnis und Zuspruch, nicht Druck und Tadel. Doch da wir das in den meisten Fällen als Kind auch schon mal erlebt haben, machen wir als Erwachsene genau das selbe und decken uns mit Selbstvorwürfen zu, wenn wir uns überfordern. Doch so kommen wir keinen Schritt weiter. „Aufschieberitis“, Prokrastination, diese Faul- und Trägheit, hat tiefe Wurzeln in der Entmutigung durch diese Selbst-Überforderung mit perfektionistischen Ansprüchen.


Um Mässigung zu erlangen braucht es also eine Portion mehr Vernunft, statt Bauchgefühl. Mit dem streben nach Besonnenheit erlangt man Demut und ein gutes Selbst-bewusst-sein. Man weiss was man wirklich braucht, was man kann, was einem gut tut und was nicht. Es ist das Wissen über seine Gaben und Grenzen.


Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

2. Tim. 1,7


Mässigung ist ein Balanceakt. Um ein Laster zu überwinden hilft langfristig ein gesundes Bewusstsein über unserer Berufung und unsere wahren Bedürfnisse.


3.1. Loslassen können und im Rahmen seiner Möglichkeiten bleiben

Gewohnheiten ändern dauert ca. 6 bis 9 Monate. So lange braucht es bis neues Verhalten für uns normal ist. Diese neurologischen Bahnen im Gehirn, durch eine Suchtentwicklung, bleiben ein Stück weit erhalten, doch wir müssen sie nicht mehr benutzen. Alles beginnt mit dem Akzeptieren des Problems und darum dem Loslassen können vom Gewohnten, was das Problem erzeugt hat.


Doch das ist natürlich nicht so einfach. Es kommt nämlich noch ein wichtiger Aspekt hinzu. Wenn man Mal eine Sucht entwickelt hat, bekommt sie für uns eine sehr grosse Bedeutung im Leben. Wir werden von ihr völlig eingenommen. Würden wir sie nun einfach loslassen, entsteht ein riesiges Loch in unserem Leben, ein Vakuum an der Stelle dieser Ersatzbefriedigung. Die Ablenkung, der Lebens-Trost ist weg. Plötzlich kommen dann Sinn-Fragen wie: Warum oder wozu bin ich eigentlich da? Der Suchtverlust kann geradewegs in eine echte Sinnkrise, in eine Depression führen. So ist es mir ergangen.


Na toll! Jetzt habe ich erst recht ein Problem! Ohne die Ess-Kotz-Anfälle hatte ich plötzlich jede Menge Zeit und Energie zu Verfügung! Ich war wirklich überfordert damit! Ich hatte ja mein Leben mit der Sucht eingerichtet, so dass ich alles im Rahmen halten und gleichzeitig heimlich meine Sucht kultivieren konnte. Die Sucht war nicht nur Puffer für meinen Alltag, sie war ein Stück weit auch "Hobby", mein destruktiver Ausgleich für Gefühlsregulation. Ich las unzählige Diätbücher, weil ich generell schlank sein wollte, kaufte entsprechend ein, rechnete Kalorientabellen durch, stopfte Lebensmittel in bestimmter Reihenfolge in mich hinein, um besser erbrechen zu können, kompensierte Fresstage mit Disziplintage, managte Alibis um Freundschaften durch die Sucht nicht zu verlieren etc. Ja, wirklich ein krankhaftes Verhalten. Aber es war vor allem auch Beschäftigung, ein Zeitvertreib, um sich nicht mit dem Wesentlichen beschäftigen zu müssen.


Ich gebe zu, vielleicht hätte ich es damals auch noch gar nicht gekonnt, mich dem Wesentlichen zu stellen. Süchte sind ja auch seelisch Überlebens-Nothilfen, also wenn man glaubt sich nicht anders helfen zu können. Ich konnte wichtige Bereiche meines Lebens zu dem Zeitpunkt der Sucht tatsächlich nicht kontrollieren. Aber die Illusion, ich könnte mein Gewicht, Attraktivität und Essverhalten kontrollieren, war meine seelische Nothilfe. Ich konnte mein Grundbedürfnis nach Autonomie immerhin ansatzweise ausleben.


Die Sucht ist ja eine Ersatzbefriedigung, darum wird man sie auch nur durch das Ersetzen dieses Ersatzes wieder los! Und diese Kompensation hat durch die Dimension der Sucht, durch ihre schiere Grösse und Bedeutung in unserem Leben, eine Stelle eingenommen, an die eigentlich unsere höheren Werte, Lebensziele und Lebensvisionen, unsere Sehnsucht, unsere Berufung, nur Gott allein, hingehören. Was kompensiere ich eigentlich wirklich im Leben? Wonach sehnt sich meine Seele also ganz tief im Herzen? Es geht um meine tiefe intrinsische Motivation für das Leben selbst.


Also: Was will ich? Gar nichts zu wollen ist schnell mal Bewegungslosigkeit, Depression. Wenn wir nicht wissen was wir wollen, gibt es nur das was wir von aussen SOLLEN, dem wir glauben entsprechen müssen, aber vielleicht gar nicht können. Das führt zur Mutlosigkeit.


Gar nicht so einfach mit uns! Deshalb wartet Gott und fragt uns nach dem was wir wirklich wollen. Er setzt sich nicht einfach über unseren Willen hinweg und drückt uns nicht einfach etwas auf! Er wartet auf uns, bis wir bereit sind uns für ihn zu interessieren. Und machen wir uns in Zwischenzeit über ihn lustig, akzeptiert er das und wirft es uns nicht mal vor, wenn wir ihn zu einem späteren Zeitpunkt erkennen! Er kennt uns und weiss wie wichtig unser Wille für unsere Gesundheit ist.


Zu jedem Veränderungsprozess gehört auch die ehrliche Frage: Was muss ich dafür investieren? Die Investition ist in dem Fall entweder zielgerichteter Verzicht oder zielgerichteter Aufwand. Bin ich bereit diesen Aufwand zu leisten? Bei jeder Investition gibt es das Risiko, dass es sich nicht lohnt. Es gibt keine Garantie, dass Sie bei allem Aufwand z. B. die Prüfung schaffen, oder die 10 kg abnehmen können. Und trotzdem sage ich: Mut zum kalkulierten Risiko! Jedes lohnende Ziel fordert Investition und verlangt mutigen Verzicht oder Aufwand.


Ihre Berufung, die Lebensvision, Lebenstraum zu ergreifen, fordert vielleicht Nüchternheit und Mässigung, einen freiwilligen Verzicht über eine gewisse Zeit. Aber bedenken Sie, dass nicht die Erfüllung der aktuellen, kurzfristigen Bedürfnisse wirklich glücklich macht, sondern der Weg im Flow zur längerfristigen Lebensvision. Das macht wirklich lebenssatt.



Laster überwinden - my way vs. highway

4. Leidenschaft finden und leben

Wir dürfen, wenn wir einer Sucht oder Laster, dieser Leidensflucht verfallen sind, jene durch wahre Leidenschaft ersetzen. Jeder hat Lebensberge, die herausfordernd sind und der Weg darüber ist so ziemlich das Gegenteil vom Schlaraffenland. Doch Laster "helfen" nicht nur über Überforderungen hinweg, sie trösten auch bei Unterforderung. Kleinere Alltagssüchte entstehen u. a. auch, wenn es für uns keine lohnende Ziele zu geben scheint, wenn der Alltag zu alltäglich, leer und banal geworden ist. Auch dafür brauchen wir Trost durch ein Laster, für den Schmerz über die Bedeutungsleere. Die eigene Berufung zu entdecken gibt dem Leben wahre Fülle.


Unsere ganz individuellen Werte sind unsere Lebensmotivationen, dort ist unser Herz, dort finden wir Berufung. Wenn Sie sich noch nicht darüber im Klaren sind, welche das sind, ist das ok. Achtsamkeit hilft dem auf die Spur zu kommen. Bewusst im Hier und Jetzt zu leben, das Leben bejahen und aktiv gestalten ist zwar fordernder, aber lebenserfüllender als einfach in den Tag zu leben.


Berufung ist nüchterne Leidenschaft, mit wachen Sinnen, voller Begeisterung. Gemeint ist nicht die blanke Nüchternheit und auch keinen Rausch. Berufung motiviert dauerhaft, aber nicht rauschartig. Der Rausch, die Ekstase heisst: Ausser sich sein. Das kann Berufung auslösen, aber es ist nicht das Ziel.


Flow ist eher wie eine nüchterne Ekstase, es ist mehr Enthusiasmus. Enthusiasmus, "en" und "Theos" bedeuten: "In Gott sein". Die Leidenschaft der Berufung ist nüchtern, unverzerrt, klar und massvoll und doch eine begeisterte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Am glücklichsten sind Sie bei einer Tätigkeit, die Sie gut können und um ihrer Selbstwillen tun, dann sind Sie im Flow.


Das sind 4 Komponente um in Flow zu kommen:

  1. eine Aufgabe um der Sache willen (was wir auch ehrenamtlich tun würden)

  2. etwas was wir gut können (unsere natürlichen Fähigkeiten und Begabungen)

  3. aus unserem freien Willen tun

  4. etwas was wir wirklich sinnvoll finden (wir erkennen einen tiefen Sinn dabei)


Die Berufung, Lebenstraum, Lebensvision oder wie auch immer Sie es nennen wollen, legt Gott in unser Herz. Gott weiss, dass uns Tun und Beitragen können, glücklich macht. Und weil er uns für eine Aufgabe, in seinem Sinne, was anderen dient, einsetzen möchte, gibt er uns Fähigkeiten und natürliche Begabungen, die wir dafür brauchen. Es beschenkt uns automatisch mit Lebensfreude, mit Glück, wenn wir in seinem Sinn leben, wirklich! Nicht erst im Himmel und wenn wir das "Vater unser" in und auswendig können, sondern dann, wenn wir mit ihm auf dem Weg wandeln, den er für uns gemacht hat. Wenn wir erkennen, dass er uns Frieden in jeder Lebenssituation schenkt, schöpfen wir Kraft aus seiner göttlichen Quelle.


Darum: Unterschätze die Kraft des Glaubens nicht! Menschen können, in Frieden mit Gott, sogar für ihn sterben. Das nennt man Märtyrertod. Aber nicht alle Menschen, die für Gott sterben, hatten auch Gottes Frieden. Wenn Sie nicht gläubig sind, können Sie sich die Dimension des Glaubens vermutlich nicht vorstellen. Dann reden Sie über etwas von dem Sie schlicht keine Ahnung haben. Der Gaube an Jesus kann aber die Kraft verleihen, auch wenn unsere Bedürfnisse nicht gestillt werden, durchzuhalten. Wir werden leidensfähig für unsere Leidenschaft. Wir haben trotz viel Investition Gottes Frieden. Und den wünschen wir uns alle, spätestens auf dem Sterbebett.


Die Berufung eines Menschen ist wie ein Geheimnis, dem der Mensch auf die Spur kommen darf. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an (Bibel,1.Samuel 16,7). Oft denkt man selbst bei seiner eigenen Berufung: Ich bin doch wohl der Allerletzte, der dafür berufen ist! Doch da zeigt sich oft Gottes Gnade. Er liebt es aus Letzten Erste zu machen! Seine Gnade begnadet uns, z. B. zu einem begnadeten Künstler. Darum seien Sie bereit für das, was Gott ihnen offenbaren möchte. Es könnte Sie positiv überraschen.


Leidenschaft und Berufung

Bei Leidenschaft denken wir vielleicht als erstes an grosse Begeisterung und Eifer, doch eigentlich ist in der Bezeichnung ja das Wort Leiden drin. Eine Passion, heisst übersetzt ein Leiden. Warum spricht man bei so was Positivem von Leid? Ich denke, Leidenschaft, ist u. a. wie ein immerwährender Ruf von Gott. Unsere Seele trägt die Last, diesem Ruf folge leisten zu wollen, aber unser Bewusstsein kann oder will es nicht immer hören. Denn unser Bewusstsein hört auch das, was alles noch so im Alltag nach uns ruft.


Warum leiden wir überhaupt? Wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden schickt der Körper oder die Seele ein Signal in Form von Schmerz, von Leid. Chronische Schmerzen sind manchmal das Resultat von nicht ernst genommenen Leids. Süchte sind das Resultat von nicht ernst genommenen seelischen Leids.


Also seelisch gesund zu sein bedeutet nicht, kein Leid zu haben im Leben. Oft ist das Gegenteil der Fall. Es kann sehr unangenehm sein, sich selber ernst zu nehmen, diesen Ruf zu hören und ihm folgen zu wollen. Es ist mit einer gewissen Anstrengung und gesundem Leiden verbunden. Opferbereitschaft zeigt sich hier in dem Verzicht auf kurzfristiges Glück, zu Gunsten von längerfristigen Zufriedenheit.


Berufung wird oft auch erst durch Leid geboren. Viele berühmte Persönlichkeiten hatten leidvolle Biografien. Hindernisse oder Leid kann unsere Fähigkeiten trainieren, unseren Charakter formen, wie es im Schmerzlosen nicht möglich ist. Erfolgreiche Menschen sind oft sehr dynamisch und resilient. Das bedeutet, sie haben gelernt sehr gut mit Leid oder Hindernisse im Leben umgehen, aber sie hatten keineswegs weniger Leid als andere. Wie könnte ich ehrliche empathische Seelsorge machen, wenn ich selbst nie tiefes Leid erfahren hätte? Es gibt kein Leben ohne Leid.


Darum hilft auf der Suche nach der eigenen Berufung u. a. auch die Frage: Wo ist dein Weltschmerz? Was bedrückt dich zu tiefst in der Welt? Wo wünschst Du dir für die Welt wirklich eine Veränderung oder Verbesserung?


Berufung leben ist vielleicht auch weniger ein Tun und mehr eine Haltung. Es ist eine lebenslange Prioritätenordnung und fordert ebenso stetige Persönlichkeitsentwicklung. Die Selbstfindung ist eine Lebensaufgabe. Sie dürfen sich durch die Veränderungen des Lebens immer wieder fragen:

  • Welche Ziele habe ich? Was sind meine Werte? Was ist mir wirklich wichtig?

  • Lebe ich so, dass ich dem gerecht werde?

  • Tue ich wirklich das was ich will? Oder lasse ich mich vom äusseren Einflüssen ablenken?


Das Leben ist es wert ernst genommen zu werden. Akzeptieren Sie Leid in ihrem Leben und sie werden für die wahre Leidenschaft befähigt. Sie sind es sich wert. Gott ist es wert, lassen Sie sich auf seine Liebe ein. Ich wünsche ihnen viel Mut dabei ihre Berufung zu entdecken und zu leben!



Krogerus, Mikael, and Roman Tschäpperler. 50 Erfolgsmodelle; Kleines Handbuch für Strategische Entscheidungen. Zürich: Kein & Aber AG , 2008;

Sammer, Petra. Story-telling; Die Zukunft von PR und Marketing. Heidelberg: dpunkt.verlag GmbH, 2015; Willberg, Hans-Arved. Kleine Laster; Alltagssüchte - wie Sie sie erkennen und bewältigen. Witten: SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, 2008; zdfinfo. Sexsucht - Wenn die Lust zur Droge wird. 22. 09 2016. www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video2709166/Sexsucht---Wenn-die-Lust-zur-Droge-wird (Zugriff am 2016). Übergabegebet: https://www.lkg-hammerbruecke.de/gemeinde/%C3%BCbergabegebet-bekehrung/, zugriff 19.05.2024



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